Montag, 23. Mai 2011

[INTERVIEW] Interview mit Nora Melling #3


Am 19 Mai war ich in der Hauptstadt und da ich es inzwischen satt habe Jahr für Jahr die Touristenstraßen abzulaufen, habe ich kurzerhand zwei nette Damen aus Berlin angemailt und einfach mal gefragt ob sie Lust hätten mich ein wenig durch Berlin zu führen :) Die erste Dame ist Charlene, vielen von Euch durch den Blog Bücherstadt bekannt. Charlene ist übrigens, die, diese hübschen Buchhüllen näht ( beachtet mein Gewinnspiel!!! Denn sie hat mir einen Gutschein für Euch zur Verfügung gestellt! )


Die zweite Dame ist Nora Melling. Ja, die Nora Melling die "Schattenblüte" geschrieben hat. Verabredet haben wir uns gleich morgens in dem Wintergarten des KaDeWe weil sie dort noch für den zweiten Teil von "Schattenblüte"  recherchieren wollte. Aus unserem Gespräch hat sich so nach und nach ein Interview entwickelt, das eigentlich gar nicht so geplant war. Und weil Nora nichts dagegen hat, habe ich die wichtigsten Fragen und Antworten noch einmal rekonstruiert ( Dinge wie: "Wie schmeckt dein Tee" habe ich einfach unter den Tisch gekehrt) so, dass ihr nun ein ziemlich "EXKLUSIVES" Interview hier lesen könnt!!! Viel Spaß damit!!!

Hallo Nora, wir treffen und ja heute hier weil eine Szene des neuen Romans in diesem Wintergarten des KaDeWe spielt und du ein wichtiges Gespräch in dem Wintergarten planst.
Wie gehst du bei einer solcher Recherche vor?
 
Zunächst einmal möchte ich mich dafür bedanken, dass du dich bereit erklärt hast, hier mit mir zu sitzen. So macht so eine Recherche doch gleich viel mehr Spaß!
Während wir plaudern, kann ich all das auf mich wirken lassen, was man nicht aus dem Internet über dieses Resturant erfährt. Sind die Stühle zum Beispiel so bequem, dass man auch länger auf ihnen sitzen mag? Ist es leise oder so laut, dass meine Romanfiguren sich zueinander beugen müssten um sich zu verstehen? Wie riecht es? Zieht der Speisenduft durchs ganze Restaurant? Wird Musik gespielt? Welche Menschen sitzen hier noch außer uns?
Ich denke, langsam kann ich mir auch ganz gut vorstellen, wie sich Luisa wohl hier an unserem Tisch fühlen würde, was ihr hier auffallen würde. Und zu Hause überlege ich mir dann, ob sie hier herauf wohl lieber die Rolltreppen nehmen würde oder den gläsernen Fahrstuhl!
 
Oh, ich würde Ihr auf jeden Fall die Fahrt mit dem Fahrstuhl empfehlen, aber sie könnte ja eigentlich beides tun. Nach oben mit der Rolltreppe, dabei ein wenig die Auslagen bewundern und runter mit dem Fahrstuhl!

Aber zurück zum Buch. Wie arbeitest du denn eigentlich am Arbeitsplatz? Nimmst du dir täglich Zeit für das Schreiben zum Beispiel eine oder zwei Stunden zu einer bestimmten Uhrzeit pro Tag. Oder schreibst du nur wenn du Lust hast bzw. einen Einfall?
 
Ehrlich gesagt: Ich könnte manchmal auch ganz gut nur irgendwo sitzen mit einer Tasse Tee und einem guten Buch, das schon jemand anders geschrieben hat und nicht arbeiten.....  Aber andererseite bin ich ja selbst neugierig auf Schattenblüte II. Also setze ich mich eigentlich jeden Vormittag hin und überarbeite das, was ich am Tag davor geschrieben habe. Wenn ich wieder in der Geschichte drin bin, dann fällt mir auch normalerweise ein, wie es weiter gehen soll. Wenn ich außerhalb meiner normalen Schreibzeit, zum Beispiel mitten in der Nacht, plötzlich eine gute Idee habe, suche ich hektisch nach einem Blatt Papier, um sie zu notieren, bevor sie sich wieder davon macht. Und wenn es gerade passt, mache ich mir nicht nur Stichworte, sondern tippe den Einfall auch gleich ausführlicher in den Computer. Hin und wieder findet man mich also auch Sonntags morgens um sechs Uhr am Schreibtisch. Tja, und falls mir überhaupt nichts einfällt, hilft mir oft ein längerer Spaziergang unter Bäumen, dort, wo man möglichst wenig Leute trifft, oder - nicht lachen! - ausführliches Duschen.
 
Warum soll ich lachen? Duschen macht anscheinend kreativ. Die einen singen dabei, die anderen überlegen sich Geschichten...
 
Arbeitest du eigentlich ganz alleine oder holst du dir auch mal Ideen von außen? Ich meine fragst du ab und an deine Kinder oder deinen Mann wenn Dir nichts einfällt.Oder liest du ihnen Passagen aus dem Roman vor und lässt den Text beurteilen? Es gibt ja auch Autorenpaare, warum dann nicht auch Autorenfamilien?!

Meine Familie unterstützt mich, mehr auf der persönlichen Ebene: Wenn es Erfolge zu feiern gibt, feiern wir zusammen (mit Torte!) und bei Mißerfolgen versuchen sie mich wieder aufzubauen. Entscheidungen bespreche ich natürlich auch mit meiner Familie. Allerdings schreibt ja niemand von ihnen selbst Romane. Daher wende ich mich bei inhaltlichen Problemen eher an meine Lektorin und meine Agentin, deren Urteil ich in dieser Hinsicht am meisten vertraue. Schreibtechnische Dinge allgemeiner Art kann ich gut mit meiner Lieblingskollegin Kerstin Pflieger per Internet besprechen. (Darf ich kurz Werbung machen: Kerstin Pfliegers "Die Alchemie der Unsterblichkeit" erscheint im Juni und ist wirklich ein spannendes Buch! Ich durfte schon mal ein bisschen reinlesen...) Überhaupt liebe ich das Internet, das so gut den "Kollegentratsch in der Kaffeküche" ersetzen kann, den wir Autoren ja nicht haben, da wir meistens allein am Schreibtisch sitzen. Es ist schön, wenn man sich zum Besipiel über ein neues Cover freut und - schwupsdiwupps - melden sich in kürzester Zeit von irgendwoher liebe Leute, die sich mitfreuen. So etwas unterstützt einen natürlich auch sehr.      

Ja, auf die "Alchemie der Unsterblichkeit" warte ich schon total gespannt und habe mir den Erscheinungstermin rot im Kalender markiert, genau wie den Tag an dem Schattenblüte II erscheinen sollte...Und da fällts mir auch auf:  zunächst sollte "Schattenblüte. Die Wächter" eigentlich im November 2011 rauskommen, dann im Dezember und nun wurde das Buch plötzlich auf März 2012 verschoben. Was ist der Grund dafür? Schreibblockaden? Zu hohe Erwartungen an Dich selbst?


Schreibblockkaden waren auch ein Grund. Der Erfolg von "Schattenblüte. Verborgenen" und die Tatsache, plötzlich veröffentlichte Autorin zu sein haben mich schon ganz schön aus dem Tritt gebracht! Auf einmal schreibt man nicht nur für sich selbst, sondern für die vielen Leserinnen, die "Schattenblüte. Die Verborgenen" gemocht haben und die "Schattenblüte. Die Wächter" mindestens genauso mögen sollen. Das lässt natürlich die Erwartungen an einen selbst steigen und macht einen nicht gerade gelassener. Und ich war die ganze Zeit müde und erschöpft und wusste nicht weshalb.

Erst dadurch, dass ich im November letzten Jahres eine Lungenentzündung bekam, die sich trotz Antibiotika über viele Wochen hinzog, kam nach vielen Untersuchungen heraus, dass ich, wahrscheinlich schon länger und
ohne es zu wissen,  an Lungen-Sarkoidose erkrankt war. Diese Krankheit war es, die mich wohl schon seit dem Sommer so müde und kurzatmig gemacht hatte. Da die Medizin bis heute die Ursache der Sarkoidose nicht kennt, kann man die Krankheit auch nicht heilen. Ich werde wohl damit leben müssen. Zum Glück bekomme ich jetzt Medikamente, die die Symptome lindern und so merke ich von der Krankheit eigentlich nichts mehr.

Meine Lektorin von Rowohlt wusste von meiner Erkrankung und hat sich dafür eingesetzt, dass "Schattenblüte. Die Wächter" den Programmplatz mit einem anderen Buch aus dem Polaris Programm tauschen konnte, so dass das Buch jetzt statt wie ursprünglich geplant vor Weihnachten im März 2012 erscheinen wird. Und ich habe noch ein Weilchen Zeit zum fertig Schreiben und hoffe, dass "Schattenblüte. Die Wächter" auch wirklich so spannend wird, wie es mir vorschwebt. 
 
Man sieht dir wirklich kaum etwas an. Du wirkst richtig frisch! Ich hoffe du wirst bald komplett gesund und schreibst nich nur "Schattenblüte II & III" sondern schenkst uns noch 1000 andere Bestseller!!! 
An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal ganz herzlich bei Nora Melling für den netten Plausch und den kurzen Stadtbummel bedanken (und die vielen Tipps!!!) und auch bei Charlene für die Zeit, die sie mit mir in einem Mueseum verbracht hatte, obwohl sie es selbst wohl schon in und auswendig kannte!  Danke Euch!!!
Übrigens: Zwei ältere Interviews mit Nora Melling findet Ihr hier: KLICK!

4 Kommentare:

Was ein schönes Interview. Man spürt förmlich die nette und privatere Atmosphäre, in dem dies geführt wurde. Nora Melling wirkt super symphatisch, wenn ich das hier so lese.
Danke für das Online-Stellen des Gesprächs. :-)
Total toll und... ich muss mir unbedingt dieses Buch kaufen... *grins*


Grüße
Asaviel

Oh wie schön! Total interessant und sympathisch, dein Interview. Danke dafür.
Ganz liebe Grüße,
Damaris

Gern geschehen! Das ist ja auch für mich ganz toll!
Werde jetzt die Szene im KaDeWe in dem Buch "Schatteblüte II" rot markieren, denn das fühlt sich so an als hätte ich eine Komparsenrolle in dem Buch ;)

Ja, das ist wirklich super. Ich hab für meinen Blog mal Isabel Abedi interviewt. Das war auch so toll, hab mich gefühlt, als würde ich schweben :-)

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