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Montag, 12. März 2012

[BUCH / REZENSION] ... Sieben Minuten nach Mitternacht ...

Hallo ihr Lieben, ich habe immer noch zu wenig Zeit für den Blog und ich sehe schon wie mich so manche Leser in letzter Zeit im Stich gelassen haben :( Da aber immer neue Leser hinzukommen bleibt die Leserzahl erstaunlicherweise konstant...worüber man sich ja eigentlich freuen sollte...aber es macht mich doch fertig, dass ich Euch nicht das bieten kann, was ich gerne würde...


Um meine Situation kurz zu erläutern: Ich studiere Lehramt und bin gerade in die "heiße Phase" hinein gekommen. Das heißt es stehen immer mehr Prüfungen und Seminararbeiten an, dazu kommen Praktika die man in den Semesterferien absolvieren muss (das mache ich jetzt gerade) und welche, die dann während des Semesters stattfinden (das erwartet mich als nächstes). So, dass ich weder Ferien habe noch wirklich viel Zeit um mich meinen Hobbys zu widmen. Denn im Praktikum halte ich ja Unterricht und dieser muss vorbereitet werden. 


Außerdem schreibe ich noch für das hochschulinterne Magazin und auch dieser Job ist nicht zu unterschätzen! Ich habe immer gedacht Journalismus sei etwas für mich, doch inzwischen bin ich froh, dass ich das niemals hauptberuflich machen werde, denn leider schreibt man da nur selten über Themen, die einen wirklich interessieren bzw. über Themen in denen man sich richtig gut auskennt...Es hat zwar schon den Vorteil, dass man viel Neues lernt und seinen Horizont und sein Wissen erweitert aber damit hängt auch sehr viel Arbeit zusammen, denn ich muss in Artikeln Zusammenhänge erklären, die ich mir vorher selbst noch aneignen muss und das beudetet: viel lesen, viel recherchieren und noch mehr nachfragen und Info- Veranstaltungen besuchen. Ich will nicht sagen, dass es ein schlechter Job ist, nein! Der ist klasse! Aber als Zeitungsredakteur unter Druck zu arbeiten - das wäre wohl mein Untergang!!! Ich brauche zwar den Druck um überhaupt etwas auf die Reihe zu kriegen aber zu viel davon macht mich total fertig... 


So, und wo wir schon beim Thema sind, kann ich euch ja meinen allerersten Artikel zeigen, den ich für das Magazin verfasst habe. Inzwischen bin ich viel "weiser" ;)  und kann über diesen ersten Schreibversuch nur lachen...Ich habe mich damals so verkrampft an die Arbeit gemacht, dass ich tagelang dran saß und dabei nie etwas vernünftigen heraus bekommen habe :) Ich konnte es gar nicht fassen!!! Nach so vielen Blog Beiträgen und Rezensionen hatte ich plötzlich eine Schreibblockade... Warum? Weil man bei einem Blog immer das Gefühl hat, man kann den Beitrag noch verändern, die Fehler ausradieren - außerdem lesen den Blog nur Leute, die mich nicht kennen :) *lol* 
Nun, langer Rede kurzer Sinn: Hier ist er...



Dienstag, 28. Februar 2012

[BUCH / REZENSION] ... so zerbrechlich wie Glas ...

Ich weiß nicht aus welchem Grund, aber ich habe das Buch bis zum bitteren Ende für den Auftakt einer Trilogie gehalten und habe es daher zunächst ganz anders aufgefasst, als ich es jetzt empfinde, nachdem ich weiß, dass es sich bei diesem Roman um eine abgeschlossene Erzählung handelt. Am liebsten würde ich den Autor anbrüllen und ihn dazu zwingen es weiter zu schreiben. Es kann doch nicht sein, dass es hier endet!!!! Das geht einfach nicht!!! Aber fangen wird doch einfach mal von vorne an: 


Das Mädchen mit den gläsernen Füßen heißt Ida und sie hat wirklich Füße aus Glas. Das klingt zunächst sehr fantastisch - wird aber durch den Erzählstil leicht so hingenommen. Denn das Glas ist nicht immer da gewesen. Nach einem Besuch auf der sonderbaren Insel St. Hauda´s Land entdeckt Ida einen Splitter in ihrem Fuß und obwohl sie alles versucht um ihn heraus zu bekommen, bleibt dieser wo er war und wird nach und nach immer größer. Als Idas Füße zu Glas werden sieht sie keinen anderen Weg als zurück auf diese Insel zu kehren um nach einer Heilmethode zu suchen - doch sie findet etwas völlig anderes: die Liebe. 

Hier noch eine Leseprobe: KLICK!!! 

Mehr möchte ich von dem Inhalt nicht verraten, denn das würde den Lesegenuss dämmen. Was ich jedoch sagen möchte ist: dass es sich hierbei um kein typisches Jugendbuch handelt. Es handelt überhaupt nicht um ein Jugendbuch auch wenn die märchenhafte Insel das zunächst vermuten lässt. Ich würde fast so weit gehen und behaupten, dass alles Fantastische in diesem Roman nur eine Kulisse für die Charaktere darstellt, die allesamt unglaublich verschroben und unglücklich durch ihr Leben gehen. Vielleicht soll diese besondere Insel die Protagonisten nur umso stärker hervorheben, was auch wirklich gelingt. 



In Wahrheit ist dieser Roman viel mehr als die Suche nach einem Heilmittel. Alle Figuren in dem Roman haben eine Gemeinsamkeit - sie alle sind unglücklich verliebt und alle in ihrer Melancholie vereint. St. Hauda´s Land mit seinen Mooren, Nebeln und geheimnisvollen Wäldern verstärkt diese Melancholie nur noch und erfüllt das ganze Buch und die Herzen der Leser bis einem die Tränen in die Augen steigen. 

Es gibt eigentlich kaum einen linearen Handlungsverlauf. Ali Shaw springt ununterbrochen in die Vergangenheit und deckt immer mehr Hintergründe auf. So lernen wir Midas Eltern kennen und verstehen seinen ewigen Kampf gegen den Vater. Denn obwohl dieser nicht mehr da ist, spürt Midas ihn in seinem Inneren und möchte auf keinen Falls so werden wie dieser. Aber ist er nicht schon längt so geworden? 

Oh Mann, wie soll ich all diese facettenreichen Charaktere beschreiben ohne zu viel zu verraten? Vielleicht so: Erwartet von diesem Buch nicht zu viel Spannung, denn hier gehts eher in die Tiefe, in die Abgründe und vor allem geht es hier um das Leben und die Liebe wie sie sind: undurchschaubar, kompliziert und zerbrechlich Glas --- Eine wahre Tragödie. 


Absolut empfehlenswert für alle die gerne gefühlgeladene und authentische Romane lesen. Lasst euch gar nicht erst von den fantastischen Elementen beirren! Ali Shaw wählt einfach einen ganz neuen Weg und erschafft eine durch und durch realistische  Geschichte inmitten einer fantastischen Welt. Mir fehlen die Worte um seinen Stil zu benennen...leider... :/ 

Ich könnte jedoch auch gut nachvollziehen, dass es dem einen oder anderen nicht gefällt weil so manches ungesagt bleibt und es nicht für alles, was in dem Roman geschieht, eine Erklärung gibt. Doch auch das Leben gibt uns nicht immer Antworten auf unsere Fragen...

Und auch das Äußere lässt bei diesem Buch keine Wünsche übrig. Auf dem Cover findet man einige Elemente aus dem Roman wieder und auch wenn mir die grüne Farbe zunächst nicht wirklich gefiel, finde ich sie jetzt nach der Lektüre doch recht passend, denn sie spiegelt meiner Meinung nach die Insel wieder. Eine grüne, feuchte Insel, hinter einem Nebelschleier würde bestimmt genau diese Farbe haben. Das beste ist jedoch der silbern glänzende Buchschnitt!!! 


Handlung          5/5
Charaktere        5/5
Lesespaß          5/5
Sprache           5/5
Preis/Leistung    5/5

Volle 5 Sterne!!! 



PS: Ali Shaw hat bereits ein zweiten vielversprechendes Buch veröffentlicht :) Hier die englische Inhaltsangabe: 

"When Elsa's father is killed in a tornado, all she wants is to escape - from New York, her job, her boyfriend - to somewhere new, anonymous, set apart. For some years she has been haunted by a sight once seen from an aeroplane: a tiny, isolated settlement called Thunderstown. Thunderstown has received many a pilgrim, and young Elsa becomes its latest - drawn to this weather-ravaged backwater, this place rendered otherworldly by the superstitions of its denizens. In Thunderstown, they say, the weather can come to life and when Elsa meets Finn Munro, an outcast living in the mountains above the town, she wonders whether she has witnessed just that. For Finn has an incredible secret: he has a thunderstorm inside of him. Not everyone in town wants happiness for Elsa and Finn. As events turn against them, can they weather the tempest - can they survive at all? The Man Who Rained is a work of lyrical, mercurial magic and imagination, a modern-day fable about the elements of love."


!! Achtung !! "The Man who Rained" erscheint auch auf deutsch! Ebenfalls bei Scirpt5 - leider aber erst im Frühjahr 2013! Macht aber nichts, denn als Leseratten werden wir sicherlich so lange warten können...und wenn nicht, kann man ja das Buch auf Englisch lesen :) 

Montag, 14. November 2011

[BUCH | HÖRBUCH] ... Necroscope ...



Es ist nicht gerade einfach über Necroscope zu schreiben. Warum? Weil ich hier nur den ersten Teil einer über 10 Bände füllenden Reihe beschreiben soll...und dann kann sich bereits jeder denken, dass in Band eins gerade mal die Protagonisten vorgestellt werden...

Inhalt

Wir befinden uns in den 70er Jahren in der UDSSR und werden Zeugen wie ein nackter Mann seinen Kopf auf dem Bauch einer Leiche platziert während er sich auf das zu konzentrieren versucht was danach folgt. Wir werden Zeugen wie dieser junge Mann kurz darauf den Toten zunächst mit der Sorgfalt eines Pathologen aufschneidet und untersucht und sich nach und nach in einen Metzger verwandelt, der sich in den Innereien suhlt. Dieser Mann heißt Boris Dragosani und wird später noch eine wichtige Rolle spielen...aber zunächst müssen wir den zweiten Protagonisten kennenlernen...

Harry Keogh wächst zur gleichen Zeit als Waisenjunge in England auf. Zunächst wird er nur belächelt und als Tagträumer abgetan bis der Mathelehrer sein Talent entdeckt und den Jungen auf eine Schule für Hochbegabte schickt. Harrys Talent beschränkt sich jedoch nicht nur auf Mathematik. Nach und nach kennt sich der Junge in fast allen Bereichen besser aus, als so mancher Professor und das nur weil er ein Necroscope ist und mit den Toten zu reden vermag. Denn die Toten haben viel zu erzählen....


Meine Meinung

Ich war zunächst einmal mit der Handlung und den ganzen Namen überfordert und kurz davor das Buch in die Ecke zu werfen. Doch dann konzentriert sich der Autor auf die beiden Protagonisten und man bekommt wirklich Lust mehr über sie zu erfahren. Was macht Boris Dragosani mit der Leiche? Warum tut er das? Brian Lumley geht wirklich ins Detail, so dass man im Laufe der Geschichte immer mehr das Gefühl bekommt, die beiden Männer immer besser zu kennen. 

Am Ende möchte man gleich weiter lesen, denn von den versprochenen Vampiren war noch gar keine Rede und trotzdem hat das Buch durch diese beiden Hauptcharaktere den Leser bereits gefesselt...

Meine Wahl wird jedoch ab Teil 2 auf das Hörbuch fallen, denn ich lasse mich gerne beim Autofahren von solchen Geschichten einlullen, denn zum Lesen wären mir die Bände dann doch zu viel des Guten...

Nicht , dass die Bücher schlecht wären, aber das ist einfach nichts was man gelesen haben muss und was als Hörbuch sogar eine noch bessere Wirkung erzielt (ich konnte mich bereits auch von dem Hörbuch überzeugen ;) 

Fazit
Der erste Band verspricht spannende und vielleicht sogar gruselige Unterhaltung. Die Protagonisten werden so scharf gezeichnet, dass man das Gefühl bekommt sie gut zu kennen. Und doch hat man Angst davor, was in ihnen schlummert und wozu sie in der Lage sind, denn die beiden jungen Männer sind alles andere als "gute Freunde". Ich will unbedingt wissen was Lumley aus ihnen herausholt!!! 



Thematik              4/5
Plot                      4/5
Charaktere           5/5
Lesespaß             4/5
Sprache                4/5
Das ergibt   4,2  Sterne !!!

Mittwoch, 5. Oktober 2011

[BUCH / TIPP] ... jeden Tag, jede Stunde ...


                         Inhalt                        

Als Dora und Luka sich zum ersten Mal begegnen fällt Luka in Ohnmacht. Dora ist die erste, die ihn erreicht und dem noch unbekannten Jungen einen Kuss auf die Lippen presst, während sie ihn „mein Prinz“ ins Ohr haucht.   

Mit 9 Jahren zieht Dora mit ihren Eltern nach Paris und Luka bleibt in Kroatien zurück. 

Erst 16 Jahre später begegenen sich die beiden zufällig wieder und Luka fällt erneut in Ohnmacht. Doch als Dora ihren Prinzen dieses Mal wach küsst möchte sie ihn nie mehr gehen lassen. Und er bleibt tatsächlich – zumindest hat er es vor. Doch nach Monaten in Paris muss Luka kurz in die Heimat um ein paar Sachen zu erledigen – schon bald will er wieder zurück sein. Dora wartet und wartet aber er kommt nicht, er ruft noch nicht einmal an....

<< Leseprobe >> 

                          Meine Meinung                

Der Roman von Natasa Dragnic hat mich nicht „berührt“ wie man das so schön sagt, sondern gepackt und nicht mehr losgelassen. Es sind schon Tage vergangen und ich kann noch immer nicht aufhören an das Buch zu denken. Die Gefühle, die in mir aufsteigen, kann ich gar nicht zu Papier bringen. Ich emfpinde Trauer, Mitleid in einem Ausmaß, das ein fiktives Buch gar nicht verdient hätte.  „Warum tut sie ihnen das an?“ würde ich die Autorin gerne fragen, und tue es sogar (Die Anwort wird es in wenigen Tagen geben ;) 

Ich fasse es selbst nicht. Diese Zeilen schreibe ich, nachdem ich zu Beginn noch Schwierigkeiten hatte in den Roman hineinzukommen. Ein wenig kitschig fand ich ihn sogar, unglaubwürdig – zumindest die ersten 50 Seiten. Fast 3 Wochen habe ich zum Lesen gebraucht und nun will ich dieses Buch nicht mehr hergeben! Es ist für mich die Entdeckung des Jahres! 

Warum? 

Weil es eine wundervolle und einzigartige Liebesgeschichte erzählt. Dora und Luka lieben sich und wollen nichts weiter als diese Liebe auskosten. Das Leben, das beide führen, scheint nur nebenher zu laufen und das obwohl sie gleichermaßen Erfolge feiern. Dora als Schauspielerin und Luka als Maler.  Doch nichts macht sie glücklicher als die Zeit zu zweit. Und dann kommt das Leben und reisst sie andauernd auseiander. 

Nachdem sich die beiden nach 16 Jahren treffen und kurze Zeit später wieder verlieren, reist Dora nach Kroatien um vor eine ziemlich harte Tatsache gestellt zu werden. Doch sie gibt Luka nicht auf, diesmal bleibt sie bei ihm, in der Hoffnung er würde den Mut fassen und sein altes Leben hinter sich lassen. Doch Luka hat Verantwortung zu übernehmen und Dora muss einsehen, dass es so nicht weitergehen kann. Wieder kommt es zu einem Verlust. Wieder geht Dora und kommt nach einigen Jahren zurück. Und all die Zeit, in der sie unerbittlich um Luka kämpft und ihn von den Lasten zu befreien versucht, wagt er keinen einzigen Schritt nach vorne.  Stattdessen tut er alles mögliche um sich selbst zu zerstören, um sich zu betrafen. 

Und den Höhepunkt dieser Geschichte stellt das Ende dar. Ich möchte es nicht genau verraten, und werde auch hier nur wage Andeutungen machen. Trotzdem möchte ich jedem die Chance geben es selbst zu erfahren. Daher, wer das Buch bereits kennt, oder sich nicht vor meinen Worten scheut, kann jetzt gerne den folgenden Abschnitt markieren und damit das Unsichtbare sichtbar machen: 

Und da stehen sie vor dem Scherbenhaufen ihres Lebens. Während Luka – inzwischen ca. 50 Jahre alt –  eine Entdeckung macht, die ihn endlich von allen Lasten befreit und nun auch bereit wäre das Leben so zu gestalten wie er es gerne schon lange getan hätte, ist es Dora, die nach all den Jahren des Wartens, ein Neues Leben begonnen hat.

Noramerweise ist es nicht meine Art, in der "Meinung" noch einmal die Geschichte aufzunehmen und durchzukauen aber um zu verstehen, was an diesem Buch so gut ist, blieb mir nichts anderes übrig. Luka ist ein eigenartiger Mann. Oder ist es nicht Luka? Liegt es vielleicht an der Kultur die so anders ist als unsere? Ich konnte Lukas´ Taten nicht immer nachvollziehen, aber je mehr ich an die ältere Generation dachte, an meine Omas und Opas, desto verständlicher erschienen mir Lukas Etnscheidungen. Immer wieder dachte ich heimlich "Du Idiot! Warum tust du das?" Und immer wieder habe ich mich gefragt ob meine Großeltern auch so gehandelt hätten. Und ja, jetzt bin ich davon überzeugt, dass Lukas´ Handlungen ganz alleine von seinem Umfeld bestimmt werden, was wiederum zeigt, dass es in dem Roman nicht nur um Liebe geht, sondern auch um die ganzen Umwelteinflüsse, die uns zu den Menschen machen, die wir sind. Und das wir unsere Entscheidungen demnach niemals wirklich frei treffen...

Die Autorin schafft es nebenbei auch Mann und Frau so darzustellen wie sie sind. Luka - typisch Mann - leidet auf seine stille und einsame Art, trifft Entscheidungen ohne mit anderen darüber zu reden und setzt alles daran sich selbst zu vernichten . Und dann kommt Dora, die mit allen Mitteln um Luka kämpft, sich laut für diese Liebe ausspricht und bereit ist ihre Krallen auszufahren um für die beiden zu kämpfen. Und erst als sie merkt, dass sie alleine auf dem Schlachtfeld steht,  fasst sie einen Plan um doch noch einen Teil dieser Liebe zu retten. 

Nein, es gibt nichts an den Protagonisten auszusetzen, sie sind durch und durch real. Alles an diesem Roman ist stimmig, nichts erscheint konstruiert oder kitschig - obwohl ich das zu Beginn wirklich gedacht habe. 

                                   Fazit                                  

Ist es wirklich „nur“ Fiktion? Mir kommt es vor, als könnte kein Mensch so etwas ausgedacht haben, so ehrlich und nachvollziehbar sind die Gefühle, so tragisch, so berührend. Dora und Luka sind mir ans Herz gewachsen als hätte ich sie persönlich kennengelernt, als müsste auch ich ihr Schicksal teilen. Wer dieses Buch liest, läuft Gefahr nie mehr losgelassen zu werden.
 5 Sterne!!! 

 

Titel: Jeden Tag, jede Stunde
Autor: Natasa Dragnic
Verlag: DVA
Seiten: 288
ISBN
: 978-3421045164
Preis: [D]  gebunden, mit Schutzumschlag: 19,99 € 









Samstag, 1. Oktober 2011

[BUCH / REZENSION] ... die ganze Welt und zugleich Hölle auf 12m²


Titel: RAUM
Autor: Emma Donoghue
Verlag: PIPER
Seiten: 416
Originaltitel: Room
ISBN
: 978-3492054669:
Preis: [D]  gebunden, mit Schutzumschlag: 19,99 € 


Inhalt:
Jacks Welt ist ein Raum mit Oberlicht und misst genau 12 Quadratmeter. Für den 5 – Jährigen ist die „reale“ Welt nur das was er sehen und fühlen kann und das ist nicht viel; Ein Teppich, ein Schrank in dem er schlafen muss wenn Old Nick kommt , ein Tisch mit Stühlen, eine Badewanne, ein Klo und ein Elektroherd. Zwar schaut Jack auch Fern aber das was er dort sieht verbindet er nicht mit der realen Welt bis seine Mutter eines Tages mit dem „Entlügen“ beginnt und dem kleinen Jungen von einer Welt außerhalb von Raum erzählt.  Und noch bevor Jack begreift was seine Ma da erzählt ändert sich die Situation und der kleine Junge muss sich wie ein ganz großer verhalten und fliehen – ganz alleine um Hilfe zu holen, und das in einer Welt, die er bisher nicht kannte. 


Meine Meinung:
Ich frage mich ob sich die Autorin vom Fall „Josef Fritzl“ inspieren ließ, der die Welt vor einigen Jahren erschütterte. Den meisten von uns sollte der Name ein Begriff sein, denn er ging so oft durch die Medien und verhalf Österreich zu einer traurigen Berühmtheit. 

Fritzl hielt seine eigene Tochter 24 Jahre lang in einer Kellerwohnung seines Hauses gefangen. In diesen Jahren vergewaltigte er sie vielfach und zeugte mit ihr 7 Kinder, von denen eines kurz nach der Geburt starb, drei von Josef Fritzl adoptiert wurden und drei weitere ihr ganzes Leben bis zu ihrer Freilassung in dem Verließ verbrachten. 

„Raum“ scheint eine fiktive Geschichte zu sein, die jedoch einige Parallelen zu dem echten Fall aufweist. Jacks Ma ist zwar nicht „Old Nicks“ Tochter und wird keine 24 sondern 7 Jahre lang in einem Schuppen gehalten aber auch sie wird als Sexsklavin gehalten und lebt mit einem Kind, das bis zu ihrer Freilassung keine andere Welt als den Raum kennt. 

Doch nicht nur die Geschichte alleine sorgt für Gänsehaut , eine besondere Wirkung auf mich hat der Erzählstil. Das komplette Buch wird aus der Sicht des kleinen Jungen wiedergegeben.  Vieles bleibt dadurch unerwähnt – mehr hätte man sowieso kaum verkraftet! Erwartet jedoch bloß keine naive Erzählung – denn Jack ist für sein Alter und die Tatsache, dass seine Mutter sonst keinen außer ihn zum Reden hatte, teilweise wirklich reif und versteht die Welt manchmal besser als jeder Erwachsene. Auf der anderen Seite ist er aber doch noch ein kleines Kind und sehr Ich – bezogen.  Er achtet nicht sonderlich auf die Gefühle seiner Ma und lässt manchmal Sachen durchsickern, die uns Lesern seine Welt offenbaren und damit zeigen wie sich alles um ihn ändert, und zugleich jedoch seine Mutter fast in den Wahnsinn treiben. Während sie nichts anderes als einen Neuanfang möchte, klemmt der Junge noch sehr lange an seinem „Raum“. Man spürt merklich wie ihm Ma in der großen, neuen Welt entgleitet und er doch nichts weiter möchte, als sie ganz für sich haben und all die vertrauten Gegenstände und Geräusche, die plötzlich durch zu viel Unbekanntes ersetzt wurden. 

Fazit:
Die Autorin versteht es einen Tatsachenroman aus der Sicht eines Kindes so realistisch darzustellen, dass man sowohl die Weltsicht des Jungen als auch die seiner Mutter sofort vor Augen hat und alle Gefühle nachvollziehen kann. Man fühlt beide, man versteht die Wünsche und Hoffnungen der beiden obwohl diese teilweise in entgegensetzte Richtungen auseinandertreiben und man hofft bis zum Schluss, dass sie einen gemeinsamen Weg aus dem „Raum“ finden und sich beide gleichwohl in der neuen Welt zurechtfinden werden. Diesen Roman muss man gelesen haben, nicht nur des Plots wegen sondern um zu spüren zu was manche Autoren mit einfachen Worten erschaffen können! Emma Donoghue ist für mich die literarische Entdeckung des Jahres, denn die Autorin schreibt nicht, sie zaubert! 


Handlung         5/5
Charaktere       5/5
Lesespaß         5/5
Sprache           5/5
Preis/Leistung  5/5
Volle 5 Sterne!!! 

Mittwoch, 28. September 2011

[BUCH / REZENSION] ... ein Junge, der in die Welt hinauszieht...

Könnt ihr Euch vorstellen, dass ich diese Rezension seit Ende Mai vor Euch verstecke? Ich kann es selbst kaum glauben, aber es ist wahr! Tatsache ist, dass ich mir von dem Roman "Die Karte meiner Träume" so viel erhofft hatte und wurde dann so sehr enttäuscht, dass ich mir Zeit lassen wollte um meine Meinung vielleicht zu überdenken. Aber auch vier Monate später bin ich immer noch davon überzeugt, dass der Autor des Romans zu viel Potenzial einfach nur verschwendet hat. Denn das Buchformat - ja, es ist als Hardcover riesig und schwer! - und die liebevollen Notizen und Skizzen am Buchrand sind dermaßen süß, dass man sofort davon ausgeht, dass auch der Inhalt perfekt sein muss...

  
Titel: Die Karte meiner Träume
Autor: Reif Larsen
Verlag: Fischer
Seiten: 435
Originaltitel: The Selected Works of T.S. Spivet
ISBN:
978-3100448118 
Preis: [D]  gebunden, mit Schutzumschlag: 22,95 € 
                 Taschenbuch 12,95 €




Inhalt:

Ein hochbegabter Junge, der in die Welt hinauszieht und weit ab von zu Hause endlich die Liebe seiner Eltern findet...
....das ist wohl die treffendste Kurzzusammenfassung des über 400 Seiten dicken Buches. Aber ich erzähle Euch natürlich noch ein wenig mehr bevor ich zu meiner Meinung übergehe:
Der kleine T.S wächst auf einer Ranch in Montana auf. Nachdem sein Bruder an Folgen eines Unfalls stirbt fühl sich T.S alleine gelassen, denn sein Vater - der Rancher - liebte nur den jetzt toten Bruder Layton, der ein echter Cowboy war und alles konnte was ein Rancher können muss. Und auch T.S.` Mutter ist so sehr in ihre Arbeit als Wissenschaftlerin vertieft, dass sie gar keine Ahnung davon hat was T.S in seiner Freizeit treibt. Und über die Schwester Gracie brauchen wir gar nicht reden, denn diese ist - ein typisches Mädchen - und möchte sich mit ihrem komischen Bruder gar nicht erst abgeben! Sie träumt lieber vom Rampenlicht und dem roten Teppich. 
Nur Dr. Yorn, Freund der Mutter (die T.S nur Dr. Clair nennt und niemals "Mom" oder "Mama") scheint sich für die Arbeiten des Kleinen Genies zu interessieren und besorgt ihm einen Job im Smithsonian Museum in Washington D.C. Für dieses Mueseum zeichnet T.S. seine wundervollen Karten und detaillierte Darstellungen von Käfern. Und bei dem Talent des Jungen dauert es nicht lange und das heimische Telefon klingelt. Am anderen Ende der Leitung ist Mr. Jibsen, der dem Jungen gratuliert und mitteilt, dass er nun für seine Arbeit geehrt werden soll und deswegen bis Donnerstag nach Washington kommen sollte. Doch Herr Jibsen weiß nicht, dass er mit einem 12 Jährigen spricht und auch T.S. verschweigt die Wahrheit. Kurzentschlossen packt er seine Sachen und macht sich heimlich und mit nur 35 Dollar in der Tasche auf den Weg nach Washington...
Meine Meinung: 
Man könnte also meinen, dass es in diesem Buch um die Reise des Jungen geht und die Abenteuer, die er bei dieser aufregenden Reise erlebt, denn die Geschichte an sich hat wirklich unheimlich viel Potential aus dem der Autor jedoch gar nichts macht  Nein, im Gegenteil!!! Die Reise ist so schnell vorbei, dass man kaum etwas mitbekommt! Ein Mal der Ausstieg um sich bei McDonalds etwas zu holen und dann erst wieder Spannung, nachdem die Reise in Chicago eigentlich schon endet! Und anstatt etwas zu erleben entdeckt der Junge im Zug das Notizbuch seiner Mutter und fängt mit dem Lesen an. Er ist völlig veriwrrt, denn seine Mom arbeitet nicht an Käfern, wie er vermutet sondern an der Ahnenfoschung wie es scheint. Ok, ich habe mich auch auf diese Geschichte eingelassen und hatte gehofft, dass sich daraus mehr entwickelt. Doch letztendlich verläuft auch dieser Strang im Sand.
Irgendwie wurde ich am Ende der Lektüre das Gefühl nicht los, dass der Autor ganz viel schreiben wollte aber mittendrin gemerkt hat, dass sein Buch vielleicht zu dick werden könnte und daraufhin alles, was hätte spannend werden können auf ein Mindestmaß gekürtzt. Denn auch das Ende wirkt völlig konstruiert und nicht zu Ende gedacht. Es werden unglaublich viele spannende Ideen aufgegriffen und wieder fallen gelassen. Jeder einzelne Verlaufsstrang endet abrupt und erscheint irgendwie unfertig. Ich habe mir so viel von dem Buch verspochen und wurde nun doch bitter enttäuscht. Denn es liest sich wirklich so, als wäre der Roman auf die Hälfte seiner ursprünglichen Größe gekürzt worden. Das Ende scheint überhaupt nicht mehr dazu zu passen...
Leider helfen auch die vielen Randskizzen und Bemerkungen nicht weiter. Hätte ich das Manuskript des Autors lesen dürfen, wäre ich niemals auf die Idee gekommen es genau so zu drucken, sondern hätte ganz stark dazu geraten ein paar der Stänge rauszunehmen und sich auf die Reise und das Ende zu konzentrieren. Vielleicht kommt der Mann ja selber noch auf die Idee das Buch in 10 Jahren überarbeitet auf den Markt zu bringen, denn es steckt Potential darin!

Handlung         3/5
Charaktere       4/5
Lesespaß         3/5
Sprache           5/5
Preis/Leistung  3/5
Ergibt 3,6 Sterne !!!

Mittwoch, 7. September 2011

[REZENSION] ... Alchemie der Unsterblichkeit ...

Guten Abend meine Lieben,

da ich gerade das Buch "Die Alchemie der Unsterblichkeit" von Kerstin Pflieger verlose, möchte ich Euch natürlich auch gleich mal wissen lassen worum es darin geht und wie es mir gefallen hat. Außerdem plane ich die nächsten Tage noch das Interview mit Kerstin Pflieger online zu stellen. Alles noch rechtzeitig zur Verlosung...da kommt meine perfektionistische Ader mal wieder zum Vorschein :) Na ja, ist doch toll wenn wir hier Kerstin Pflieger Woche dazwischenschieben. Oder habt ihr etwas dagegen? Nein?! - na das habe ich doch gleich gewusst!!!

Somit fangen wir gleich mit der Rezension an:


Herzlich Willkommen in Karlsruhe des Jahres 1771 liebe Leser. Hier lebt Icherios Ceihn der gerade auf eine Zusage der Univerität wartet, denn er möchte nichts sehnlicher als Medizin studieren. 
Die  Zeiten sind jedoch hart und so muss Icherios seine verdünnte Brühe in der "Kanzelley zur Inspektion unnatürlicher Begebenheiten" verdienen. Sein erster Auftrag führt ihn in den tiefsten Schwarzwald nach Dornfelde. Dort soll er eine mysteriöse Mordserie aufdecken - mehr erfährt der junge Gelehrte nicht. Mit auf den Weg bekommt er einen Bündel Geld und den Rat das Kreuz, das er um die Brust trägt, abzunehmen.
Unterwegs merkt Icherios, dass sich in den tiefen des Waldes viel mehr verbirgt als er es sich je zu vorstellen gewagt hätte. Und je schmackhafter das Essen während der Fahrt nach Dornfelde wird, desto eigenartiger verhalten sich die Menschen, desto gefährlicher kommt ihm seine Reise vor. Als er letztendlich in Dornfelde von der Existenz der Werwölfe und Vampire erfährt, wird ihm sofort klar, dass er diese Reise nur überlebt wenn er die Morde auch wirklich aufdeckt. Aber hat er - Icherios -  als Fremdling und Ahnungsloser überhaupt eine Chance die Geheimnisse dieser Stadt zu enthüllen und den Plan des Mörders aufzudecken bevor der Zusammenhalt der Gemeinde völlig auseinanderbricht?
Meine Meinung:
Mit ihrem Debütroman  schafft es Kerstin Pflieger eine Geschichte zu erzählen, die dem Leser mehr bietet als ein üblicher Krimi. Hier geht es nicht primär um die Aufdeckung der Mordfälle so wie es scheint sondern um Dornfelde und seine Bewohner. Scheinbar gar nicht so weit weg von Karlsruhe landet der junge Gelehrte in einer ihm bis dahin komplett fremden Welt. Menschen, Werwölfe und Vampire leben hier friedlich zusammen und legen viel Wert darauf, diesen Frieden auch weiterhin zu wahren. Doch die Stimmung ist düster, nicht nur weil die Umgebung so gefährlich und menschenfeindlich ist sondern weil der Mörder wie absichtlich die Bewohner der Gemeinde gegeneinder aufhetzt.
Kerstin Pflieger wollte in ihrem Erstlingswerk die Stimmung von "Sleepy Hollow" einfangen - ja genau die Gruselkomödie mit Johnny Depp, in der die Bäume allesamt kahl wirken und die Menschen bedrohlich und wo es Tag und Nacht dunkel ist - und was soll ich sagen? Sie hat "Sleepy Hollow" sogar noch übertroffen! Ich musste auch bei Tagelicht mit einer Lampe lesen so düster wirkte auf mich Dornfelde und doch waren die Protagonisten sehr sympathisch und liebenswürdig. Um so schockierender wirkte dann die Skrupellösigkeit mit der sich Kerstin Pflieger von den lieb gewonnen Gestalten trennte. Doch genau das macht dieses Buch so einzigartig! Die Autorin klemmt nicht an den Helden, sie lässt den Mörder genau so morden wie es natürlich wäre - kaltblütig und ohne Rücksicht auf den Leser.
Ein wenig schwach war der Versuch immer mal wieder jemanden ins Scheinwerferlicht zu rücken und mit ein paar Indizien zu belasten. Leider bin ich kein einziges Mal darauf reingefallen. Doch es ist auch nicht weiter schlimm, denn der Plot ist stimmig, die stimmung düster und das Erzählte einfach nur fesselnd! 

Thematik          4/5
Handlung         5/5
Charaktere       5/5
Lesespaß         4/5
Sprache           5/5
Ergibt glatte 4,6 Sterne

Montag, 5. September 2011

[REZENSION] ... die hellen Tage ...

Liebe Leser,
das Gedicht der Woche ist ausnahmsweise unserem Ausflug nach Prag zum Opfer gefallen und da wir gerade immer noch Urlaub machen werde ich es diese Woche mal ausfallen lassen und Euch stattdessen ein wunderschönes Buch / Hörbuch vorstellen...denn es ist fast so poetisch wie ein Gedicht...

                                                                                    Titel: Die hellen Tage
Autorin: Zsuzsa Bánk 
Verlag: S.Fischer
Seiten: 540 
Preis: 21,95 Euro 

Dieses Buch ist ebenfalls als Hörbuch erschienen: 
Verlag: AUDIOBUCH
6CDs
Preis: 24,95€ 


"Die hellen Tage behalte ich, die dunklen gebe ich dem Schicksal zurück" 

Als ich die "hellen Tage" von Zsusza Bánk zum ersten Mal in den Händen hielt, habe ich bereits geahnt, dass es keine leichte Kost sein wird, doch mit einer solchen Vielschichtigkeit, die dabei so belanglos und leichtfüßig erzählt wird habe ich nicht gerechnet.

Inhalt: 
Zsuzsa Bánk überlässt das Erzählen ihrer jungen Protagonistin Seri. Und Seri hält es gar nicht für nötig sich vorzustellen sondern redet drauf los. Sie fängt an über Evi zu erzählen, in deren Garten sie mit  ihrer Tochter Aja und dem gemeinsamen Freund Karl spielt. Die Kinder beobachten Evi wie sie mit Siggi leichtfüßig zu einer unhörbaren Musik tanzt und denken sich, dass es auch für sie später so sein wird. Doch mit ihren Kinderaugen sehen sie nur einen Bruchteil dessen was in den beiden Erwachsenen vorgeht. Siggi ist ein Trapezkünstler und das ganze Jahr über mit dem Zirkus unterwegs um Geld zu verdienen, das er seinen Liebsten schicken kann. Evi und Aja sehen ihn nur wenige Wochen im Jahr und können nichts tun um ihn zu Hause zu halten.

Und auch Seri ist ohne Vater groß geworden, denn dieser ist kurz nach ihrer Geburt gestorben. Seitdem fährt Seris Mutter seinen Koffer auf dem Vordersitz des Wagens spazieren und lässt niemand anderen auf diesen Platz. Und vielleicht wurden die Kinder durch die Schicksalschläge ihrer Eltern vereint, denn auch Karls Familie ist vor einigen Jahren zerbrochen als Karls Bruder Ben an einem schönen Tag einfach so in ein fremdes Auto stieg und niemals zurückkehrte.
Die Kinder spielen ahnungslos miteinander und teilen auf die gleiche stille Art ihr Schicksal miteinander und so kommt es wie es kommen muss- auch ihre Mütter finden zu einander und helfen sich gegenseitig über die dunklen Tage hinweg.

Durch Seris urteilsfreie Erzählart erleben wir als Leser alles mit, was diese drei Familen seit den 60er Jahren bis zum Mauerfall 89 erleben. Wir leiden mit Ihnen, wir sind mit ihnen glücklich und wir decken zusammen mit den Müttern Geheimnisse auf, die vielleicht lieber verborgen geblieben wären...

Meine Meinung: 
Wer eine seichte Urlaublektüre erwartet, der sollte sich besser ein anderes Buch zulegen, bevor er dann später enttäuscht schelcht darüber urteilt. Dieser Roman ist keine leichte Kost, dieses Buch ist schwer verdaulich und nicht immer leicht zu kauen.

Zugegeben: ich hatte zu Beginn auch ein paar Schwierigkeiten hineinzukommen, denn es erschien alles so banal, ich wusste erstmal lange nicht wer der Erzähler ist und was mich erwartet. Das Buch war über längere Zeit tatsächlich langatmig und fast schon gewollt melancholisch aber je weiter ich vorankam desto schockierter stellte ich fest wie Seri als Erzählerin es schafft solch schreckliche Erkenntnisse dermaßen nebensächlich und doch so voller Traurigkeit rüberzubringen. Wie kann etwas so banal Erzähltes so traurig wirken?

Zsuzsa Bánk schafft es nicht nur die Leser in Melancholie zu versetzen sondern auch immer wieder zu überraschen. Der Plot ist bis ins kleinste Detail durchdacht und das meiste wirkt unheimlich stimmig. Es gibt höchstens eine oder vielleicht zwei Stellen an denen ich die Reaktionen der Beteiligten als übertrieben empfunden habe, in denen etwas künstlich zu sehr dramatisiert wird und es einfach nicht mehr zu dem Rest passt.


Zum Hörbuch: 

wie ich oben erwähnt habe, ist das Buch "Die hellen Tage" bereits als Hörbuch auf 6 CDs erschienen. Gelesen wird es von Doris Wolters, die es vermag Gefühle so weiterzugeben, dass man als Zuhörer glaubt, dass es sich tatsächlich um Seri handelt, die aus ihrem Leben erzählt. Doris Wolters Stimme ist sehr beruhigend und passt wunderbar zu diesem Buch.

Fazit:
Szusza Bánk hat ein anspruchsvolles und sehr vielschichtiges Buch über das Leben mit seinen hellen und dunklen Tagen geschaffen, das seine Leser in eine Melancholie versetzt aus der man auch lange Zeit nach der Lektüre nur schwer hinauskommt. Letzten Endes gibt sie einem noch nicht einmal das Gefühl vom "Happy End" denn der Leser weiß, dass solche Erfahrungen einen bis zum Ende begleiten, auch denn wenn man vergibt und zu vergessen beginnt.


Thematik          5/5
Handlung         5/5
Charaktere       4/5
Lesespaß         4/5
Sprache           5/5
Ergibt glatte 4,6 Sterne

Montag, 18. Juli 2011

[BUCH / HÖRBUCH] ... Schrecksenmeister ....


Autor: Walter Moers
Verlag: HB HörbucHHamburg / HC PIPER
Seiten: HB 12 CDs / HC 384
ISBN HB: 978-3869090733
ISBN HC: 978-3492049375
Preis HB: 29,99 Euro
Preis HC: 22,90 Euro
Preis TB: 10,95 Euro


In dem neuen Roman von Hildegunst von Mythenmetz - bitte hier nichts durcheinander bringen, denn oft meinen die Leser Walter Moers hätte den "Schrecksenmeister" geschrieben! Nein - Walter Moers hat ihn lediglich aus dem Zamonischen ins Deutsche übersetzt, nicht mehr und nicht weniger!
Nun gut, das hätten wir geklärt...
Inhalt: 
Zu Beginn von "Schrecksenmeister" lernen wir "Sledwaya" kennen, eine Stadt die bereits nach Schnupfen und Krankheit klingt und da wundert es einen fast gar nicht wenn Hildegunst von Mythenmetz diese als den krankesten Ort von ganz Zamonien beschreibt. Die Bewohner von Sledwaya begrüßen sich mit "Ohwehohweh" und verabschieden sich mit "Gute Besserung". Der Geruch von Urin und Krankheit liegt in der Luft und über allem thront ganz oben auf einem Berg das Schloss von "Eißpin dem sehr Schrecklichen". Der Schrecksenmeister kümmert sich drum, dass die Leiden der Stadtbewohner nie versiegen und erfindet Gesetze, die den Schrecksen die Rechte nimmt den Bewohnern von Sledwaya zu helfen.
Und genau diesem Eißpin dem sehr Schrecklichen begegnet die halbverhungerte Kratze Echo. Echo ist wohl das allerletzte Krätzchen von Zamonien und was Echo von anderen Katzen unterscheidet ist nicht das "r" in K(r)atze sondern die Fähigkeit alle Sprachen der Welt zu sprechen. Echo kann nämlich mit jedem Tier kommunizierten und sich eigentlich alles einmal gesagte merken. Doch Eißpin braucht das Krätzchen nicht wegen seiner Gabe sondern nur um das Fett der Kratze auszukochen und schlägt deswegen einen schrecklichen Pakt mit dem halbverhungerten Echo: Einen Monat lang wird sich Eißpin höchstpersönlich um die Kratze kümmern und ihr alle Delikatessen servieren, die sich Echo nur vorstellen kann doch bei Schrecksenmond soll die Kratze dann von Eißpin ausgekocht und verarbeitet werden. Der Vertrag ist grausam und doch unterschreibt Echo ihn. Warum? Weil es dem Krätzchen sinnvoller erscheint einen Monat länger zu leben als in den  nächsten Tagen auf den Straßen von Sledwaya grausam zu verhungern.
Und so beginnt das Abenteuer von Echo, der zunächst einmal ohne  nachzudenken alles in sich hineinschaufelt was Eißpin serviert und erst als er langsam fett wird begreift, dass ihm nicht mehr viel Zeit bleibt...
Meine Meinung:
Ich habe "Schrecksenmeister" genau wie "Die Stadt der träumenden Bücher" als Hörbuch gehört - denn diese gibt es als ungekürzte Lesung - und war zunächst ein klein wenig enttäuscht, denn "Schrecksenmeister" wird nun von Andreas Fröhlich gelesen, "Die Stadt der träumenden Bücher" jedoch von Dirk Bach und meiner Meinung nach passt nichts besser zu den Zamonischen Büchern als Dirk Bach! Seine Stimme ist einfach DIE Stimme für Hildegunst von Mythenmetz. Aber was soll ich sagen? Man gewöhnt sich auch an Andreas Fröhlich, denn auch er macht es wirklich gut und kann fast genau so viele Stimmen nachmachen wie Dirk Bach - um ehrlich zu sein ist es völlig ok für den "Schrecksenmeister" denn auch dieser Roman ist kein direkter Nachfolger von "Die Stadt der träumenden Bücher" sondern nur eine Erzählung von Hildegunst von Mythenmetz -> kann also ohne Sorge auch vor allen anderen der Reihe gelesen werden.
Ein wenig traurig bin ich nur weil auch der direkte Nachfolger "Das Labyrinth der träumenden Büchern" auch von Andreas Fröhlich gelesen wird, aber erstens ist es meine persönliche Meinung und zweitens hat es nun gar nichts mit dem Schrecksenmeister zu tun...
...deswegen mache ich einfach mal weiter....
 Wie schon oben erwähnt erzählt dieser Roman eine eigenständige Geschichte ohne die bereits bekannten Personen zu verwenden. Dadurch entsteht ein sehr selbstständiger Eindruck und man vermisst auch nicht unbedingt etwas. Einziger Kritikpunkt ist vielleicht die Kompaktheit - besser die "Beschränktheit" dieser Erzählung, denn Echo geht kaum in die Welt hinaus. Er erlebt das meisten innerhalb der Schlossmauern und der weiteste Weg führt ihn in den Unkenwald der wohl sogar noch zu der Stadt Sledwaya gehört. Das macht die Erzählung nicht so abentuerlich und fantastisch wie man es aus "Die Stadt der träumenden Büchern" kennt aber keineswegs langweilig.
Man lernt Echo kennen und zugleich lieben, denn dieser ist doch nur eine ganz gewöhnliche K(r)atze und man kommt nicht umhin mit ihm zu leiden und zu kämpfen. Moers - Verzeihung - Mythenmetz hat es drauf und schafft es einen immer wieder zum Lachen zu bringen und zugleich zu fesseln.
Kleine Abstriche macht man da wirklich nur dann wenn man "Die Stadt der träumenden Bücher" kennt. 
Fazit: 

Thematik             4/5
Handlung            5/5
Charaktere          5/5
Hörspaß              4/5
Sprache              5/5


Das ergibt 4,6 Sterne und aufgerundet wiederum 5 ! Ist das nicht toll?

Mittwoch, 6. Juli 2011

[REZENSION] ... die Freundin meines Sohnes ...

Da es bei mir zur Zeit ein wenig stressig zugeht, gibt es heute eine etwas kürzere Rezension die schon lange überfällig war...
Im Moment hinke ich mit meinen Rezis ein wenig hinterher aber versuche es demnächst noch alles aufzuarbeiten, denn je länger ich warte, desto schwieriger erscheint mir die Beurteilung...



Nun aber zum Inhalt:
Der Roman erzählt die Geschichte zwei wohlhabender Familien, die sich Ihren Reichtum hart erarbeitet haben und nun alles dafür geben damit es den eigenen Kindern an nichts mangelt.
Doch dann läuft etwas schief. Die Tochter der Sterns - Laura, wird mit 17 schwanger, verheimlicht jedoch diese Schwangerschaft und tötet das neugeborene Baby auf einer öffentlichen Toilette. Sie hat jedoch sehr viel Glück (und  vor allem Vitamin B :)  und statt ins Gefängnis wird sie für einige Jahre in die Psychiatrie geschickt. Mit 30 kommt Laura zu Ihren Eltern zurück und verliebt sich in den 20 jährigen Sohn der befreundeten Familie. Erstaunlicherweise hat der Sohn Alec nichts gegen die 10 Jahre ältere "Kindsmörderin" und erwiedert nur allzu schnell ihre Liebe. So beginnt eine "Liebelei" die Alecs Vater - Pete Dizinoff überhaupt nicht in den Sinn passt. Denn er möchte seinen heißgeliebten Sohn auf dem College sehen und nicht in den Armen der Kindsmörderin...
Meine Meinung:
Der Roman zeigt wohl deutlich, dass kein Geld der Welt die Kinder vor falschen Entscheidungen retten kann und im Falle dieser beiden Familien hatte ich sogar das Gefühl, das Geld würde den Kindern nur noch mehr Schaden zufügen.
Es ist ein Drama, das sich nur langsam zuspitzt, bis zum Schluß weiß man nicht recht was da auf einen zukommt. Teilweise fällt zwar die Spannung aber der gut durchdachte Inhalt und der Plot machen das wieder wett.
Der Roman ist keinesfalls fantastisch. Alles darin erinnert an die reale Welt, nichts darin scheint überspietzt oder unglaubwürdig und daher ist dieses Buch ein wahres Vergnügen für Leser, die gerne lebensnahe Erzählungen lesen. 



Fazit:

Thematik           5/5
Handlung           5/5
Charaktere         3/5
Lesespaß            4/5
Sprache              5/5
Wer gerne Gegenwartsliteratur liest und nicht unebdingt einen spannungsgeladenen Plot erwartet, wird dieses Buch mögen!  Von mir gibts 4,4 Sterne! 

Donnerstag, 9. Juni 2011

[BUCH / REZENSION] ... anständig essen ....

 
Bei diesem Buch habe ich mir nach dem Lesen ein paar Tage Zeit gegönnt um meine Gedanken zu ordnen um zu einer richtigen Wertung zu kommen. Denn oft neige ich dazu alle Bücher, die die Missstände der Tierhaltung aufdecken allzu postiv zu bewerten, da schon alleine die Tatsache, dass ein solches Buch auf den Markt kommt, zeigt, dass wir uns im Aufbruch befinden.
Karen Duve hat es nun auch mal gewagt und fast ein Jahr lang versucht "anstädnig [zu] essen" Ob und wie es ihr gelang hat sie in diesem Buch dokumentiert. Den Anstoß für zu diesem Schritt gab Karen ihre Freundin Kerstin - die in dem Buch übrigens nur noch Grille genannt wird - als Anspielung auf Pinocchios "Gewissensgrille"
Karen Duve startet also als Bio-Esserin in das neue Jahr und möchte sich alle zwei Monate steigern. Sie erforscht die Supermärkte und auch die kleineren Geschäfte und deckt schon bald auf, dass Bio nicht gleich Bio ist und dass auch Bio Rinder und Schweine leiden und ebenfalls ermordet werden.
Es folgen die weiteren zwei Monate, in denen Karen Duve nun vegetarisch isst. Sie schreibt über die Tatsache wie viele Menschen sich unberechtigt "Vegetarier" nennen indem sie weiterhin Fisch, Hackfleisch oder Hühnchen essen. Sie erwähnt auch das Problem mit der Gelatine auf die auch nur wenige Vegetarier Wert legen aber vergisst dabei völlig, dass auch Käse nicht immer vegetarisch ist! Gerade der gute, alte Käse, meist auch Biokäse wird mit Lab hergestellt, das aus den Mägen kleiner Kälber gewonnen wird. So etwas darf in einem Buch wie diesem nicht fehlen! Tut es aber  doch und das stört mich schon sehr, denn ich bin davon überzeugt, dass viele Vegetarier diese Tatsachen gar nicht kennen!
Wenigstens schreibt Karen Duve darüber wie sehr Milchkühe und Legehennen leiden und verschweigt auch nicht die Tatsache, dass Vegetarier genau so "morden" wie die Fleischesser. Zwar essen sie Ihre Opfer nicht direkt auf aber mit der Milch und den Eiern haben sie doch keine weiße Weste. Ihr glaubt es nicht? So ist es aber! Damit eine Kuh Milch gibt muss sie jedes Jahr oder alle zwei Jahre ein Kalb gebären. Wir wollen mal die Gefühle einer Kuh außer Acht lassen, die unbefragt besamt wird und alleine Wert auf das neugeborene Kalb legen, dass direkt nach der Geburt der Mutter weggenommen und in einen ca. 1,4 m x 1,1 m Kälberiglu bis zu 12 Wochen in Einzelhaft gehalten wird. Dieses Kalb sieht weder seine Mutter noch bekommt es irgendwelche Zuwendung. Stellt euch das mit einen Neugeborenen Baby vor! Dann ist da noch die Mutterkuh, was für ein Leben führt sie wohl? Ist es artgerecht? ist es überhaupt schmerzfrei bei den heutigen überzüchteten Rassen? Und wie lange lebt so eine Kuh? - Das kann man alles mit Nein beantworten und das Leben der Kuh enden dann wenn sie nicht mehr genügend Milch gibt!
So ähnlich geht es den Hühnern wobei da bereits kurz nach der Geburt gemordet wird. Die männlichen Küken, werden gleich nach dem Schlüpfen erstickt oder geschreddert - sie legen ja keine Eier! Die weiblicken Küken werden in Kartons verpackt und abtransportiert. Wie es weiter geht hat bestimmt schon jeder gesehen!
Nun ja, die plausible Schlußfolgerund ist vegan zu werden und das macht Karen dann auch. Es folgen 4 Monate in denen sie sich vegan ernährt. Vier Monate einfach deswegen weil es gar nicht so einfach ist, denn als Veganer achtet man nicht nur auf das was man in sich reinschaufelt sondern auch beim Kauf von Kosmetik, Putzmitteln und Kleidern. Alles andere wäre inkosequent und das sieht auch Karen Duve ein.
Zunächst einmal stellt sie fest, dass es kaum noch Fertigprodukte gibt, die vegan sind - überall steckt Milch oder Hühnereiklar drin auch in Produkten die scheibnbar extra für solche "Tierfreunde" gemacht wurden. Grille gibt hier bereits auf, denn sie schafft es nicht auf ihre heißgelibte Milch zum Tee zu verzichten und auch der vegane Käse kommt bei beiden nicht gut an!
Ich mochte diesen Teil des Buches sehr, denn ich selber versuche schon seit geraumer Zeit vegan zu leben und stelle die gleichen Tatsachen fest: Bienen tun mir einfach nicht so sehr leid wie andere Tiere ( vielleicht hat man von Natur aus weniger Mitleid mit Insekten?!) und so stehe ich oft vor dem Regal fast völlig veganer Riegel und denke drüber nach ob ich nun wirklich darauf verzichten soll nur weil da ein Tropfen Honig drin sein könnte...auch der vegane Käse schmeckt mir nicht und völliger Käseverzicht ist schon eine Qual. Da hat Karen Duve recht. Warum wollen Veganer nicht auch mal zugeben, dass diese Art zu Leben doch einen Verzicht bedeutet? Natürlich gewöhnt man sich daran wie man sich an alles gewöhnen kann aber zu Beginn ist es doch sehr hart und ich - obwohl ich mich für konsequent halte - schaffe es oft nicht es immer durchzuhalten.
Nach 4 Monaten schafft es Karen Duve dann doch sogar auf alle Lederschuhe und Federbetten zu verzichten. Sie isst ausschließlich vegan und ist nun bereit für die nächste Stufe: Frutarier! Ja, davon gibt es nur wenige auf der Welt. Mag sein, weil diese Ernährungsform doch sehr eingeschränkt ist und das merkt auch Karen sehr bald.
Denn man darf nur das essen, was die Pflanze nicht tötet - also alles was von den Bäumen fällt :) Aber auch Getreide da es geernet wird wenn die Plfanze bereits tot ist. Sowas wie Kartoffeln und Zwiebel geht dann gar nicht. Viele Gewürze auch nicht mehr...
Warum sich das antun? Weil Pflanzen ja vielleicht doch Schmerz empfinden?! Wer weiß das schon. Im Studium lernt man zwar, dass Schmerzempfinden einer Pflanze nichts nützen würde - weglaufen kann sie ja nicht. Aber ist wirklich alles was Natur hervorbringt nützlich? Da man bis vor Kurzem die Tiere noch immer für gefühllose Maschinen hielt - und manche tun es noch immer - sollte man vielleicht nicht gleich drüber lachen wenn einer der Pflanze ebenfalls Schmerzempfinden zuspricht.
Das waren jetzt alles Aspekte für Tierrechte aber Karen Duve beschreibt auch die Folgen der Tierhaltung für unsere Erde, denn keine Fabrik produziert so viel CO2 und Methangase wie die Rinderhaltung. Nichts versaut mehr das Grundwasser als die intensive Schweinehaltung! Wer auf ein Steak verzichtet könnte übrigens ein Jahr lang ohne schlechtes Gewissen duschen! Und eine arme Familie in der dritten Welt könnte theorisch von dem Getreide, was wir in ein Steak von 180 g stecken eine ganze Woche lang leben!
Wollen wir also friedlich weiter wachsen und die Erde für unsere Nachkommen erhalten bleibt und nichts anderes übrig als auf Fleisch zu verzichten! Leider kommen diese Argumente bei Karen Duve zu kurz.
Am Ende - und das hat mich zunächst einmal sehr enttäuscht - kommen Karens Schlußfolgerungen und die Vorsätze für die Zukunft. Als ich das fettgedruckte: "Ich verzichte auf das Fleisch aus der Massentierhaltung" las, war ich dann doch völlig verwundert. Denn gleich zu Beginn schreibst sie selbst, dass sollte man einmal die Augen und das Mitgefühl aufgebracht haben, es keinen Weg mehr zurück zum Fleischkonsum gibt. Genau das empfinde ich nämlich auch und könnte deshalb auch keinen solchen Vorsatz formulieren. Was soll dieses ganze Projekt dann? Wollte die Frau nur auf die "grüne Welle" aufspringen und mitreiten? Schön bequem Geld verdienen? Hat sie im Grunde gar nichts aus dem Selbstversuch gelernt? Vielleicht sind 9 Monate einfach nicht lang genug gewesen? Ja, dieses Ende hat mich schon sehr enttäuscht.
Andererseits was nützt es wenn die Frau lügt? Soll sie doch mit schlechten Gewissen ihr Steak essen, sie wird es sowieso nicht lange mitmachen können - davon bin ich fest überzeugt und deswegen mache ich Ihr da keinen Vorwurf.
Fazit: Wer Fakten sucht, sollte doch zu Richard David Prechts "Noahs Erbe" greifen, wer jedoch einen interessanten Selbstversuch lesen möchte, der vielleicht nicht alle Fakten abdeckt aber schon einen groben Eindruck der ganzen Situation vermittelt, wird dieses Buch sehr gut finden. Ich habe es lieber gelesen als Foers "Tiere essen" weil es trotz allem Ernst auch noch spannend und witzig geschrieben ist und nicht nur alles schön und postiv beschreibt was auf Dauer jeden nervt.
Wir Menschen haben Schwächen und möchten gerne auch etwas über Menschen die uns ähnlich sind lesen und nicht von Perfektionisten die schweinbar alles können und auf Anhieb schaffen! Wer also schon mal vegetarisch/vegan leben wollte aber sich von den "perfekten" Besserwissern hat abschrecken lassen, sollte es mit diesem Buch noch einmal versuchen!
In Sternen ausgedrückt ergibt es folgendes Bild:

Inahlt                      5/5
Info.Qualität            4/5
Lesespaß                5/5
Lebensnähe             4/5
Preis/Leistung          5/5
Das ergibts 4,6 Sterne!