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Freitag, 1. Juni 2012

[Buch / Rezension] ...lasst dieses Buch lieber im Regal




Der Name Michael Winterhoff ist müsste einem Bücherfan geläufig sein. Denn seit 2009 steht der Kinderpsychologe immer wieder in den Top Ten der Sachbücher. Bekannt wurde er übrigens mit dem Buch "Warum unsere Kinder Tyrannen werden". Später folgten weitere Titel, die entweder die Wörter "Kinder" oder "Tyrannen" enthielten - meist beide zugleich. Nun ist er wieder zurück mit einem Titel, in dem schon wieder das Wort "Kinder" steckt. Vielleicht weil er als Kinderpsychologe das Gefühl hat, er müsse über Kinder schreiben, wahrscheinlicher jedoch um seine Fans bei der Stange zu halten. Denn was so oft, so gut funktioniert hat, kann doch nicht verkehrt sein? Das Problem dabei ist nur, dass es in dem neusten Werk überhaupt nicht um Kinder geht...
Nun, soll ich überhaupt etwas zum Inhalt sagen? Denn ich habe Angst zu viel zu verraten. Viel steckt in dem dünnen Büchlein sowieso nicht drin. Zum einen geht es um die Erkenntnis, dass wir - die modernen Menschen - eigentlich immer nur im Katastrophenmodus leben. Hier hat Herr Winterhoff auch recht. Denkt man nur an die letzten Monate zurück, fehlt einem garantiert eine schockierende Nachricht ein, die von den Nachrichtenspechern wie ein Weltuntergang vorgetragen wurde. Es vergeht kein Monat ohne Naturkatastrophen, Pandemien und anderen schrecklichen Botschaften. Ein starker Wind ist in den Medien bereits ein Sturm, ein heftigeres Sommergewitter ist Grund genug um die Menschen vor schrecklichen Blitzeinschlägen zu warnen, die Schweinegrippe ist schon ein Beinahe-Weltuntergang. Na? Ihr wisst was ich meine...genau das beschreibt auch Michael Winterhoff. 
Dann ist da noch das Hamsterrad - Winterhoffs absolutes Lieblingswort. Wir alle - ja auch du ;) - stecken als Erwachsene in einem Hamsterrad und müssen dauernd in Bewegung bleiben. Wir machen uns selber Stress in dem wir immer erreichbar sein wollen, rund um die Uhr arbeiten und nachrichtensüchtig sind. Auch da hat Herr Winterhoff vollkommen recht. Mir fallen immer wieder Menschen auf, die alle 2 - 5 Minuten auf Facebook die Statusmeldungen lesen. Aber auch solche, die nie bei einem Programm in Fernseher verharren können, sondern permanent zappen. Letztens saß vor mir im Flugzeug ein Mann, der versucht hat 5 Filme gleichzeitig zu schauen, in dem er immer wieder nach wenigen Minuten das Programm wechselte...das alles sind Anzeichen vom "Hamsterrad" Wir wollen immer in Bewegung bleiben, aber können uns nie auf eine Sache konzentrieren (wobei ich dazu bereits eine andere Theorie kenne) 
Nun ja, das ist der Inhalt des Büchleins. Tolle Erkenntnisse, aber muss dafür gleich ein Buch geschrieben werden? Ein Zeitungsartikel mit 500 Zeichen hätte vollkommen gereicht! Aber klar doch! Ein Zeitungsartikel bringt niemals so viel Geld! Nun ja, hier ist der Autor aber eindeutig zu weit gegangen. Ich finde es mehr als nur unverschämt so wenig Inhalt mit ein paar nichtssagenden Interviews auszuschmücken und für ein Haufen Geld zu vermarkten. 
Ich habe mir wirklich sehr viel Zeit gelassen und mich immer wieder gefragt ob es nicht zu heftig wäre ein Buch dermaßen schlecht zu bewerten, doch inzwischen bin ich zu der Erkenntnis gelangt, dass sich eher der Verlag dafür schämen sollte so viel Geld aus einem Namen und zwei Aussagen zu ziehen.
Winterhoffs "Erkenntnisse" sind natürlich nicht übel, aber wie gesagt - nichts um es gleich in ein Buch zu packen. Das Geld kann man sinnvoller investieren und man sollte es auf jeden Fall tun! 


Von mir gibt es dafür nur einen Stern!!!





Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 205 Seiten
ISBN: 978-3-579-06750-6
Preis: € 19,99 [D] € 20,60 [A]

Mir wurde das Buch freundlicherweise von BDB (blogg dein buch :) zur Verfügung gestellt! Dankeschön!!! 


Dienstag, 17. August 2010

[BUCH] Vom Recht der Tiere und den Grenzen des Menschen



Zur Zeit spricht die Welt über ein Buch das noch vor kurzem keinen Anklang in der Gesellschaft gefunden hätte. Doch jetzt hat Jonathans Safran Foer etwas geschafft was von vielen Tierrechtlern und Vegetariern schon lange gewünscht wurde: Mit "eating animals" hat er die skandalösen Zustände unter denen unsere Mitgeschöpfe leben aufgedeckt und sowohl in die Presse als auch ins Fernsehen gebracht.
Dieses plötzliche Interesse nutze ich jetzt aus um euch das Buch "Noahs Erbe" von Richard David Precht vorzustellen. Dieses ist bereits 1997 erschienen und belichtet die Missstände unter denen die Tiere zu leiden haben, gibt aber auch Antworten auf die Frage warum wir so grausam geworden sind

Zuerst geht Precht allgemein auf die Problematik ein:
BGB § 90 "Tiere sind keine Sachen. Sie werden durch besondere Gesetze geschützt." und gleich darauf folgt der Nachsatz: "Auf sie ( die Tiere ) sind die für Sachen geltenden Vorschriften anzuwenden, soweit nicht etwas anderes bestimmt ist."

Weiter heißt es, dass man die Mitgeschöpfe ( Tiere ) nur aus "venünfitigen Gründen" töten oder quälen darf ( z.B. als Versuchstiere ) Aber ist es ein "vernünftiger Grund", dass allein die Tatsache, dass Steaks und Hähnchen den meisten Menschen schmecken, ein zureichendes Argument, mithin ein "vernünftiger Grund" ist, ökologische Risiken und ethische Grausamkeiten millionenfach zu legitimieren? Es ist grausam genug, dass Tiere ihr allzu kurzes Leben ist Stehsärgen ohne Licht verbringen müssen um dann am Ende qualvoll dafür zu sterben. Doch wie vernünftig ist die Tatsache, dass 70% der weltweiten Getreideernte statt sofort an hungernde Menschen zu gehen, erst einmal an Mastrinder und Schweine verfüttert wird? Oder die ganze Gülle, die das Grundwasser verschmutzt?
Weiter beschreibt Precht den "großen Graben" den die Biologen zwischen Mensch und Tier gegraben haben und sich noch immer weigern ihn zuzuschütten obwohl Charles Darwins Revolutionstheorie schon längst den Weg in die Schulen und Universitäten gefunden hat.

Doch auch die Biologen graben diesen nicht einfach so, die Religion ist Prechts nächster Punkt und beschreibt sehr ausführlich wie diese das Denken vieler Menschen( generationen ) geprägt hat. Denn oft war es sowohl für Biologen als auch für Philosophen unmöglich etwas so zu sagen wie sie dachten ohne dabei den Menschen aus dem Mittelpunkt der Schöpfung zu verdrängen.

Precht arbeitet von Kapitel zu Kapitel alle wichtigen Themen ( Tierrecht, Tierschutz, Jagd, Zoo, Tierversuche uvm. ) ab und bleibt dabei sehr tatsachentreu und wissenschaftlich. In dem Buch finden sie keine Senitmentalität und das macht dieses Werk aus! Er versucht gar nicht erst Mitleid zu erwecken sondern schreibt an manchen Stellen, dass er keine Beschreibungen zum Thema Massentierhaltungen geben will, denn Richard David Precht ist davon überzeugt, dass wir genug über diese Zustände bescheid wissen, sie jedoch nicht wahrhaben wollen.

Ein wenig schwach sind die Forderungen an die Politik. Da bin ich davon überzeugt, dass es besser wäre sich an jeden einzelnen Leser zu wenden, statt wie so oft an die Regierung. Denn der Mensch neigt leider sehr schnell dazu dem Finger auf jemand anderen zu richten, statt Fehler bei sich selbst zu suchen. Bessere Tiergesetze zu fordern ist zwar schön und gut aber wieder gibt es dem einzelnen die Möglichkeit alle Schuld auf jemand anderen zu landen: Die Regierung ist schuld, dass Tiere gequält werden, die Bauern sind Schuld weil sie die Tiere nicht achten, die Schlachter sind schuld weil sie die Tiere töten und die Geschäfte sind Schuld weil sie das Fleisch so billig verkaufen....

Doch ist es nicht der Verbaucher, der zu viel Fleisch isst, ohne nur einmal drüber nachzudenken wo es her kommt und was für ein Leid es verursacht? Ist es nicht der Verbraucher, der für 1kg Fleisch noch weniger zu bezahlen bereit ist für 1 kg Kartoffeln? Wir füttern die Rehe im Winter um sie im Jahr darauf zu jagen - das nennen wir auch noch Sport.

Es ist ein unglaublich umfassendes Werk zum Thema Tierrechte und Tierschutz und sollte wirklich mehr Beachtung bekommen, denn dieses Buch ist voll gespickt mit Tatsachen, mit wichtigen Gedanken vieler Philosophen, Biologen und voll weiterführender Literatur. Es ist mehr als nur ein Bericht über die Massentierhaltung und deswegen sehr lesenswert!
Leider bekommt man zur Zeit nur noch Restexemplare, doch Richard David Precht hat bereits erwähnt, dass es eine Neuauflage von "Noahs Erbe" geben soll! Also auf die Wunschliste setzen und abwarten!!! Es lohnt sich!!!