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Dienstag, 28. Februar 2012

[BUCH / REZENSION] ... so zerbrechlich wie Glas ...

Ich weiß nicht aus welchem Grund, aber ich habe das Buch bis zum bitteren Ende für den Auftakt einer Trilogie gehalten und habe es daher zunächst ganz anders aufgefasst, als ich es jetzt empfinde, nachdem ich weiß, dass es sich bei diesem Roman um eine abgeschlossene Erzählung handelt. Am liebsten würde ich den Autor anbrüllen und ihn dazu zwingen es weiter zu schreiben. Es kann doch nicht sein, dass es hier endet!!!! Das geht einfach nicht!!! Aber fangen wird doch einfach mal von vorne an: 


Das Mädchen mit den gläsernen Füßen heißt Ida und sie hat wirklich Füße aus Glas. Das klingt zunächst sehr fantastisch - wird aber durch den Erzählstil leicht so hingenommen. Denn das Glas ist nicht immer da gewesen. Nach einem Besuch auf der sonderbaren Insel St. Hauda´s Land entdeckt Ida einen Splitter in ihrem Fuß und obwohl sie alles versucht um ihn heraus zu bekommen, bleibt dieser wo er war und wird nach und nach immer größer. Als Idas Füße zu Glas werden sieht sie keinen anderen Weg als zurück auf diese Insel zu kehren um nach einer Heilmethode zu suchen - doch sie findet etwas völlig anderes: die Liebe. 

Hier noch eine Leseprobe: KLICK!!! 

Mehr möchte ich von dem Inhalt nicht verraten, denn das würde den Lesegenuss dämmen. Was ich jedoch sagen möchte ist: dass es sich hierbei um kein typisches Jugendbuch handelt. Es handelt überhaupt nicht um ein Jugendbuch auch wenn die märchenhafte Insel das zunächst vermuten lässt. Ich würde fast so weit gehen und behaupten, dass alles Fantastische in diesem Roman nur eine Kulisse für die Charaktere darstellt, die allesamt unglaublich verschroben und unglücklich durch ihr Leben gehen. Vielleicht soll diese besondere Insel die Protagonisten nur umso stärker hervorheben, was auch wirklich gelingt. 



In Wahrheit ist dieser Roman viel mehr als die Suche nach einem Heilmittel. Alle Figuren in dem Roman haben eine Gemeinsamkeit - sie alle sind unglücklich verliebt und alle in ihrer Melancholie vereint. St. Hauda´s Land mit seinen Mooren, Nebeln und geheimnisvollen Wäldern verstärkt diese Melancholie nur noch und erfüllt das ganze Buch und die Herzen der Leser bis einem die Tränen in die Augen steigen. 

Es gibt eigentlich kaum einen linearen Handlungsverlauf. Ali Shaw springt ununterbrochen in die Vergangenheit und deckt immer mehr Hintergründe auf. So lernen wir Midas Eltern kennen und verstehen seinen ewigen Kampf gegen den Vater. Denn obwohl dieser nicht mehr da ist, spürt Midas ihn in seinem Inneren und möchte auf keinen Falls so werden wie dieser. Aber ist er nicht schon längt so geworden? 

Oh Mann, wie soll ich all diese facettenreichen Charaktere beschreiben ohne zu viel zu verraten? Vielleicht so: Erwartet von diesem Buch nicht zu viel Spannung, denn hier gehts eher in die Tiefe, in die Abgründe und vor allem geht es hier um das Leben und die Liebe wie sie sind: undurchschaubar, kompliziert und zerbrechlich Glas --- Eine wahre Tragödie. 


Absolut empfehlenswert für alle die gerne gefühlgeladene und authentische Romane lesen. Lasst euch gar nicht erst von den fantastischen Elementen beirren! Ali Shaw wählt einfach einen ganz neuen Weg und erschafft eine durch und durch realistische  Geschichte inmitten einer fantastischen Welt. Mir fehlen die Worte um seinen Stil zu benennen...leider... :/ 

Ich könnte jedoch auch gut nachvollziehen, dass es dem einen oder anderen nicht gefällt weil so manches ungesagt bleibt und es nicht für alles, was in dem Roman geschieht, eine Erklärung gibt. Doch auch das Leben gibt uns nicht immer Antworten auf unsere Fragen...

Und auch das Äußere lässt bei diesem Buch keine Wünsche übrig. Auf dem Cover findet man einige Elemente aus dem Roman wieder und auch wenn mir die grüne Farbe zunächst nicht wirklich gefiel, finde ich sie jetzt nach der Lektüre doch recht passend, denn sie spiegelt meiner Meinung nach die Insel wieder. Eine grüne, feuchte Insel, hinter einem Nebelschleier würde bestimmt genau diese Farbe haben. Das beste ist jedoch der silbern glänzende Buchschnitt!!! 


Handlung          5/5
Charaktere        5/5
Lesespaß          5/5
Sprache           5/5
Preis/Leistung    5/5

Volle 5 Sterne!!! 



PS: Ali Shaw hat bereits ein zweiten vielversprechendes Buch veröffentlicht :) Hier die englische Inhaltsangabe: 

"When Elsa's father is killed in a tornado, all she wants is to escape - from New York, her job, her boyfriend - to somewhere new, anonymous, set apart. For some years she has been haunted by a sight once seen from an aeroplane: a tiny, isolated settlement called Thunderstown. Thunderstown has received many a pilgrim, and young Elsa becomes its latest - drawn to this weather-ravaged backwater, this place rendered otherworldly by the superstitions of its denizens. In Thunderstown, they say, the weather can come to life and when Elsa meets Finn Munro, an outcast living in the mountains above the town, she wonders whether she has witnessed just that. For Finn has an incredible secret: he has a thunderstorm inside of him. Not everyone in town wants happiness for Elsa and Finn. As events turn against them, can they weather the tempest - can they survive at all? The Man Who Rained is a work of lyrical, mercurial magic and imagination, a modern-day fable about the elements of love."


!! Achtung !! "The Man who Rained" erscheint auch auf deutsch! Ebenfalls bei Scirpt5 - leider aber erst im Frühjahr 2013! Macht aber nichts, denn als Leseratten werden wir sicherlich so lange warten können...und wenn nicht, kann man ja das Buch auf Englisch lesen :) 

Dienstag, 6. Dezember 2011

[BUCH / HÖRBUCH] ... Irgendwann ...

... werden wir uns alles erzählen von Daniela Krien.

Es ist das Jahr 1990 und wir befinden uns in der DDR, die keine mehr ist. Aber ist es von Bedeutung? Nein, denn in diesem Roman ist die historische Kulisse nur eine Formsache um den Protagonisten ein Heim zu geben. 

Maria ist 17 und lebt bei ihrem Freund Johannes auf dem "Dreiseithof" in dem "Spinnenzimmer" unterm Dach. Johannes steht kurz vor dem Abitur und auch Maria sollte bald das Gymnasium beenden, doch sie zeigt immer mehr Desinteresse an der Schule und bleibt lieber im Bett bei den "Brüdern Karamasow". Weder Johannes´ Eltern noch seine Großeltern, die alle zusammen auf dem Hof leben, sagen etwas dazu. Denn Maria ist eine fleißige Helferin und so lange sie nicht nur liest, sondern auch auf dem Hof mitarbeitet, lässt man sie ihr Ding durchziehen. 

Nach einem Autounfall, den Marias Mutter auf dem Weg zum Dreiseithof baut und der übrigens sehr glimpflich verläuft, bietet der 40 Jahre alte Henner seine Hilfe an. Doch anstatt Maria zu Johannes zu fahren, bringt er sie auf seinen eigenen Hof. Was dann passiert scheint auch Maria nicht recht zu begreifen. Wird sie nun von Henner vergewaltigt oder geschieht alles mit ihrer Einverständnis?! Perplex kommt sie nach alle dem bei Johannes an und versucht so gut es geht die blauen Flecken zu verdecken. Doch schon kurz darauf entfacht eine Leidenschaft in dem Mädchen, die sie immer wieder in die Arme des über 20 Jahre älteren Henner treibt. 

                                Meine Meinung                             

Ich habe diesen Roman zunächst einmal als Hörbuch genossen. Die Stimme von Anna Thalbach lässt Maria dermaßen naiv und unschuldig erscheinen, dass man ihre Zerrissenheit beinahe körperlich fühlt. 

Bei diesem Buch handelt es sich um einen typischen Adoleszenz Roman mit allem was zum Erwachsen werden dazu gehört. Maria ist reifer als der Rest ihrer Klasse und man kann gut nachvollziehen warum sie keine Lust auf Schule hat. Da sich ihr Freund Johannes in eine völlig andere Richtung entwickelt und sich nur noch um sich selbst kümmert und auch sonst keiner ein Ohr für das junge Mädchen zu haben scheint, ist es fast schon vorprogrammiert, dass sie Zuflucht in den starken Armen von Henner sucht. Was zunächst wie eine Vergewaltigung aussieht, entfacht starke Gefühle sowohl bei Henner als auch bei Maria. Doch was würde man über dieses ungleiche Paar im Dorf sagen? Wie soll Maria dann noch Johannes und seiner Familie in die Augen schauen? Und irgendwie liebt sie ja auch Johannes, oder etwa nicht? 

Mich hat die Erzählung so sehr berührt, dass ich mir sofort auch das Buch gekauft um die Worte besser fassen bzw. festhalten zu können, denn das was Daniela Krien mit ihrem Debütroman geschaffen hat, ist so tiefgehend und so realistisch und nachvollziehbar, dass man es förmlich miterlebt. Das Ende bietet auch noch einen tragischen Höhepunkt der zwar sehr pathetisch erscheint und doch irgendwie zum Buch passt. 

                                      Fazit                               

Prädikat lesenswert und unentbehrlich ! Ein authentischer Adoleszenzroman der so wie er erzählt wird einfach nur perfekt und stimmig wirkt. Nichts daran erscheint fehl am Platz. Als das Tüpfelchen auf dem i könnte man das Hörbuch mit der Stimme von Anna Thalbach bezeichnen, die Naivität einer 17 Jährigen alleine durch ihre Stimme zu erschaffen vermag.


Handlung          5/5
Charaktere        5/5
Lesespaß          5/5
Sprache           5/5
Preis/Leistung    5/5

Volle 5 Sterne!!! 



Mittwoch, 5. Oktober 2011

[BUCH / TIPP] ... jeden Tag, jede Stunde ...


                         Inhalt                        

Als Dora und Luka sich zum ersten Mal begegnen fällt Luka in Ohnmacht. Dora ist die erste, die ihn erreicht und dem noch unbekannten Jungen einen Kuss auf die Lippen presst, während sie ihn „mein Prinz“ ins Ohr haucht.   

Mit 9 Jahren zieht Dora mit ihren Eltern nach Paris und Luka bleibt in Kroatien zurück. 

Erst 16 Jahre später begegenen sich die beiden zufällig wieder und Luka fällt erneut in Ohnmacht. Doch als Dora ihren Prinzen dieses Mal wach küsst möchte sie ihn nie mehr gehen lassen. Und er bleibt tatsächlich – zumindest hat er es vor. Doch nach Monaten in Paris muss Luka kurz in die Heimat um ein paar Sachen zu erledigen – schon bald will er wieder zurück sein. Dora wartet und wartet aber er kommt nicht, er ruft noch nicht einmal an....

<< Leseprobe >> 

                          Meine Meinung                

Der Roman von Natasa Dragnic hat mich nicht „berührt“ wie man das so schön sagt, sondern gepackt und nicht mehr losgelassen. Es sind schon Tage vergangen und ich kann noch immer nicht aufhören an das Buch zu denken. Die Gefühle, die in mir aufsteigen, kann ich gar nicht zu Papier bringen. Ich emfpinde Trauer, Mitleid in einem Ausmaß, das ein fiktives Buch gar nicht verdient hätte.  „Warum tut sie ihnen das an?“ würde ich die Autorin gerne fragen, und tue es sogar (Die Anwort wird es in wenigen Tagen geben ;) 

Ich fasse es selbst nicht. Diese Zeilen schreibe ich, nachdem ich zu Beginn noch Schwierigkeiten hatte in den Roman hineinzukommen. Ein wenig kitschig fand ich ihn sogar, unglaubwürdig – zumindest die ersten 50 Seiten. Fast 3 Wochen habe ich zum Lesen gebraucht und nun will ich dieses Buch nicht mehr hergeben! Es ist für mich die Entdeckung des Jahres! 

Warum? 

Weil es eine wundervolle und einzigartige Liebesgeschichte erzählt. Dora und Luka lieben sich und wollen nichts weiter als diese Liebe auskosten. Das Leben, das beide führen, scheint nur nebenher zu laufen und das obwohl sie gleichermaßen Erfolge feiern. Dora als Schauspielerin und Luka als Maler.  Doch nichts macht sie glücklicher als die Zeit zu zweit. Und dann kommt das Leben und reisst sie andauernd auseiander. 

Nachdem sich die beiden nach 16 Jahren treffen und kurze Zeit später wieder verlieren, reist Dora nach Kroatien um vor eine ziemlich harte Tatsache gestellt zu werden. Doch sie gibt Luka nicht auf, diesmal bleibt sie bei ihm, in der Hoffnung er würde den Mut fassen und sein altes Leben hinter sich lassen. Doch Luka hat Verantwortung zu übernehmen und Dora muss einsehen, dass es so nicht weitergehen kann. Wieder kommt es zu einem Verlust. Wieder geht Dora und kommt nach einigen Jahren zurück. Und all die Zeit, in der sie unerbittlich um Luka kämpft und ihn von den Lasten zu befreien versucht, wagt er keinen einzigen Schritt nach vorne.  Stattdessen tut er alles mögliche um sich selbst zu zerstören, um sich zu betrafen. 

Und den Höhepunkt dieser Geschichte stellt das Ende dar. Ich möchte es nicht genau verraten, und werde auch hier nur wage Andeutungen machen. Trotzdem möchte ich jedem die Chance geben es selbst zu erfahren. Daher, wer das Buch bereits kennt, oder sich nicht vor meinen Worten scheut, kann jetzt gerne den folgenden Abschnitt markieren und damit das Unsichtbare sichtbar machen: 

Und da stehen sie vor dem Scherbenhaufen ihres Lebens. Während Luka – inzwischen ca. 50 Jahre alt –  eine Entdeckung macht, die ihn endlich von allen Lasten befreit und nun auch bereit wäre das Leben so zu gestalten wie er es gerne schon lange getan hätte, ist es Dora, die nach all den Jahren des Wartens, ein Neues Leben begonnen hat.

Noramerweise ist es nicht meine Art, in der "Meinung" noch einmal die Geschichte aufzunehmen und durchzukauen aber um zu verstehen, was an diesem Buch so gut ist, blieb mir nichts anderes übrig. Luka ist ein eigenartiger Mann. Oder ist es nicht Luka? Liegt es vielleicht an der Kultur die so anders ist als unsere? Ich konnte Lukas´ Taten nicht immer nachvollziehen, aber je mehr ich an die ältere Generation dachte, an meine Omas und Opas, desto verständlicher erschienen mir Lukas Etnscheidungen. Immer wieder dachte ich heimlich "Du Idiot! Warum tust du das?" Und immer wieder habe ich mich gefragt ob meine Großeltern auch so gehandelt hätten. Und ja, jetzt bin ich davon überzeugt, dass Lukas´ Handlungen ganz alleine von seinem Umfeld bestimmt werden, was wiederum zeigt, dass es in dem Roman nicht nur um Liebe geht, sondern auch um die ganzen Umwelteinflüsse, die uns zu den Menschen machen, die wir sind. Und das wir unsere Entscheidungen demnach niemals wirklich frei treffen...

Die Autorin schafft es nebenbei auch Mann und Frau so darzustellen wie sie sind. Luka - typisch Mann - leidet auf seine stille und einsame Art, trifft Entscheidungen ohne mit anderen darüber zu reden und setzt alles daran sich selbst zu vernichten . Und dann kommt Dora, die mit allen Mitteln um Luka kämpft, sich laut für diese Liebe ausspricht und bereit ist ihre Krallen auszufahren um für die beiden zu kämpfen. Und erst als sie merkt, dass sie alleine auf dem Schlachtfeld steht,  fasst sie einen Plan um doch noch einen Teil dieser Liebe zu retten. 

Nein, es gibt nichts an den Protagonisten auszusetzen, sie sind durch und durch real. Alles an diesem Roman ist stimmig, nichts erscheint konstruiert oder kitschig - obwohl ich das zu Beginn wirklich gedacht habe. 

                                   Fazit                                  

Ist es wirklich „nur“ Fiktion? Mir kommt es vor, als könnte kein Mensch so etwas ausgedacht haben, so ehrlich und nachvollziehbar sind die Gefühle, so tragisch, so berührend. Dora und Luka sind mir ans Herz gewachsen als hätte ich sie persönlich kennengelernt, als müsste auch ich ihr Schicksal teilen. Wer dieses Buch liest, läuft Gefahr nie mehr losgelassen zu werden.
 5 Sterne!!! 

 

Titel: Jeden Tag, jede Stunde
Autor: Natasa Dragnic
Verlag: DVA
Seiten: 288
ISBN
: 978-3421045164
Preis: [D]  gebunden, mit Schutzumschlag: 19,99 € 









Samstag, 1. Oktober 2011

[BUCH / REZENSION] ... die ganze Welt und zugleich Hölle auf 12m²


Titel: RAUM
Autor: Emma Donoghue
Verlag: PIPER
Seiten: 416
Originaltitel: Room
ISBN
: 978-3492054669:
Preis: [D]  gebunden, mit Schutzumschlag: 19,99 € 


Inhalt:
Jacks Welt ist ein Raum mit Oberlicht und misst genau 12 Quadratmeter. Für den 5 – Jährigen ist die „reale“ Welt nur das was er sehen und fühlen kann und das ist nicht viel; Ein Teppich, ein Schrank in dem er schlafen muss wenn Old Nick kommt , ein Tisch mit Stühlen, eine Badewanne, ein Klo und ein Elektroherd. Zwar schaut Jack auch Fern aber das was er dort sieht verbindet er nicht mit der realen Welt bis seine Mutter eines Tages mit dem „Entlügen“ beginnt und dem kleinen Jungen von einer Welt außerhalb von Raum erzählt.  Und noch bevor Jack begreift was seine Ma da erzählt ändert sich die Situation und der kleine Junge muss sich wie ein ganz großer verhalten und fliehen – ganz alleine um Hilfe zu holen, und das in einer Welt, die er bisher nicht kannte. 


Meine Meinung:
Ich frage mich ob sich die Autorin vom Fall „Josef Fritzl“ inspieren ließ, der die Welt vor einigen Jahren erschütterte. Den meisten von uns sollte der Name ein Begriff sein, denn er ging so oft durch die Medien und verhalf Österreich zu einer traurigen Berühmtheit. 

Fritzl hielt seine eigene Tochter 24 Jahre lang in einer Kellerwohnung seines Hauses gefangen. In diesen Jahren vergewaltigte er sie vielfach und zeugte mit ihr 7 Kinder, von denen eines kurz nach der Geburt starb, drei von Josef Fritzl adoptiert wurden und drei weitere ihr ganzes Leben bis zu ihrer Freilassung in dem Verließ verbrachten. 

„Raum“ scheint eine fiktive Geschichte zu sein, die jedoch einige Parallelen zu dem echten Fall aufweist. Jacks Ma ist zwar nicht „Old Nicks“ Tochter und wird keine 24 sondern 7 Jahre lang in einem Schuppen gehalten aber auch sie wird als Sexsklavin gehalten und lebt mit einem Kind, das bis zu ihrer Freilassung keine andere Welt als den Raum kennt. 

Doch nicht nur die Geschichte alleine sorgt für Gänsehaut , eine besondere Wirkung auf mich hat der Erzählstil. Das komplette Buch wird aus der Sicht des kleinen Jungen wiedergegeben.  Vieles bleibt dadurch unerwähnt – mehr hätte man sowieso kaum verkraftet! Erwartet jedoch bloß keine naive Erzählung – denn Jack ist für sein Alter und die Tatsache, dass seine Mutter sonst keinen außer ihn zum Reden hatte, teilweise wirklich reif und versteht die Welt manchmal besser als jeder Erwachsene. Auf der anderen Seite ist er aber doch noch ein kleines Kind und sehr Ich – bezogen.  Er achtet nicht sonderlich auf die Gefühle seiner Ma und lässt manchmal Sachen durchsickern, die uns Lesern seine Welt offenbaren und damit zeigen wie sich alles um ihn ändert, und zugleich jedoch seine Mutter fast in den Wahnsinn treiben. Während sie nichts anderes als einen Neuanfang möchte, klemmt der Junge noch sehr lange an seinem „Raum“. Man spürt merklich wie ihm Ma in der großen, neuen Welt entgleitet und er doch nichts weiter möchte, als sie ganz für sich haben und all die vertrauten Gegenstände und Geräusche, die plötzlich durch zu viel Unbekanntes ersetzt wurden. 

Fazit:
Die Autorin versteht es einen Tatsachenroman aus der Sicht eines Kindes so realistisch darzustellen, dass man sowohl die Weltsicht des Jungen als auch die seiner Mutter sofort vor Augen hat und alle Gefühle nachvollziehen kann. Man fühlt beide, man versteht die Wünsche und Hoffnungen der beiden obwohl diese teilweise in entgegensetzte Richtungen auseinandertreiben und man hofft bis zum Schluss, dass sie einen gemeinsamen Weg aus dem „Raum“ finden und sich beide gleichwohl in der neuen Welt zurechtfinden werden. Diesen Roman muss man gelesen haben, nicht nur des Plots wegen sondern um zu spüren zu was manche Autoren mit einfachen Worten erschaffen können! Emma Donoghue ist für mich die literarische Entdeckung des Jahres, denn die Autorin schreibt nicht, sie zaubert! 


Handlung         5/5
Charaktere       5/5
Lesespaß         5/5
Sprache           5/5
Preis/Leistung  5/5
Volle 5 Sterne!!! 

Mittwoch, 28. September 2011

[BUCH / REZENSION] ... ein Junge, der in die Welt hinauszieht...

Könnt ihr Euch vorstellen, dass ich diese Rezension seit Ende Mai vor Euch verstecke? Ich kann es selbst kaum glauben, aber es ist wahr! Tatsache ist, dass ich mir von dem Roman "Die Karte meiner Träume" so viel erhofft hatte und wurde dann so sehr enttäuscht, dass ich mir Zeit lassen wollte um meine Meinung vielleicht zu überdenken. Aber auch vier Monate später bin ich immer noch davon überzeugt, dass der Autor des Romans zu viel Potenzial einfach nur verschwendet hat. Denn das Buchformat - ja, es ist als Hardcover riesig und schwer! - und die liebevollen Notizen und Skizzen am Buchrand sind dermaßen süß, dass man sofort davon ausgeht, dass auch der Inhalt perfekt sein muss...

  
Titel: Die Karte meiner Träume
Autor: Reif Larsen
Verlag: Fischer
Seiten: 435
Originaltitel: The Selected Works of T.S. Spivet
ISBN:
978-3100448118 
Preis: [D]  gebunden, mit Schutzumschlag: 22,95 € 
                 Taschenbuch 12,95 €




Inhalt:

Ein hochbegabter Junge, der in die Welt hinauszieht und weit ab von zu Hause endlich die Liebe seiner Eltern findet...
....das ist wohl die treffendste Kurzzusammenfassung des über 400 Seiten dicken Buches. Aber ich erzähle Euch natürlich noch ein wenig mehr bevor ich zu meiner Meinung übergehe:
Der kleine T.S wächst auf einer Ranch in Montana auf. Nachdem sein Bruder an Folgen eines Unfalls stirbt fühl sich T.S alleine gelassen, denn sein Vater - der Rancher - liebte nur den jetzt toten Bruder Layton, der ein echter Cowboy war und alles konnte was ein Rancher können muss. Und auch T.S.` Mutter ist so sehr in ihre Arbeit als Wissenschaftlerin vertieft, dass sie gar keine Ahnung davon hat was T.S in seiner Freizeit treibt. Und über die Schwester Gracie brauchen wir gar nicht reden, denn diese ist - ein typisches Mädchen - und möchte sich mit ihrem komischen Bruder gar nicht erst abgeben! Sie träumt lieber vom Rampenlicht und dem roten Teppich. 
Nur Dr. Yorn, Freund der Mutter (die T.S nur Dr. Clair nennt und niemals "Mom" oder "Mama") scheint sich für die Arbeiten des Kleinen Genies zu interessieren und besorgt ihm einen Job im Smithsonian Museum in Washington D.C. Für dieses Mueseum zeichnet T.S. seine wundervollen Karten und detaillierte Darstellungen von Käfern. Und bei dem Talent des Jungen dauert es nicht lange und das heimische Telefon klingelt. Am anderen Ende der Leitung ist Mr. Jibsen, der dem Jungen gratuliert und mitteilt, dass er nun für seine Arbeit geehrt werden soll und deswegen bis Donnerstag nach Washington kommen sollte. Doch Herr Jibsen weiß nicht, dass er mit einem 12 Jährigen spricht und auch T.S. verschweigt die Wahrheit. Kurzentschlossen packt er seine Sachen und macht sich heimlich und mit nur 35 Dollar in der Tasche auf den Weg nach Washington...
Meine Meinung: 
Man könnte also meinen, dass es in diesem Buch um die Reise des Jungen geht und die Abenteuer, die er bei dieser aufregenden Reise erlebt, denn die Geschichte an sich hat wirklich unheimlich viel Potential aus dem der Autor jedoch gar nichts macht  Nein, im Gegenteil!!! Die Reise ist so schnell vorbei, dass man kaum etwas mitbekommt! Ein Mal der Ausstieg um sich bei McDonalds etwas zu holen und dann erst wieder Spannung, nachdem die Reise in Chicago eigentlich schon endet! Und anstatt etwas zu erleben entdeckt der Junge im Zug das Notizbuch seiner Mutter und fängt mit dem Lesen an. Er ist völlig veriwrrt, denn seine Mom arbeitet nicht an Käfern, wie er vermutet sondern an der Ahnenfoschung wie es scheint. Ok, ich habe mich auch auf diese Geschichte eingelassen und hatte gehofft, dass sich daraus mehr entwickelt. Doch letztendlich verläuft auch dieser Strang im Sand.
Irgendwie wurde ich am Ende der Lektüre das Gefühl nicht los, dass der Autor ganz viel schreiben wollte aber mittendrin gemerkt hat, dass sein Buch vielleicht zu dick werden könnte und daraufhin alles, was hätte spannend werden können auf ein Mindestmaß gekürtzt. Denn auch das Ende wirkt völlig konstruiert und nicht zu Ende gedacht. Es werden unglaublich viele spannende Ideen aufgegriffen und wieder fallen gelassen. Jeder einzelne Verlaufsstrang endet abrupt und erscheint irgendwie unfertig. Ich habe mir so viel von dem Buch verspochen und wurde nun doch bitter enttäuscht. Denn es liest sich wirklich so, als wäre der Roman auf die Hälfte seiner ursprünglichen Größe gekürzt worden. Das Ende scheint überhaupt nicht mehr dazu zu passen...
Leider helfen auch die vielen Randskizzen und Bemerkungen nicht weiter. Hätte ich das Manuskript des Autors lesen dürfen, wäre ich niemals auf die Idee gekommen es genau so zu drucken, sondern hätte ganz stark dazu geraten ein paar der Stänge rauszunehmen und sich auf die Reise und das Ende zu konzentrieren. Vielleicht kommt der Mann ja selber noch auf die Idee das Buch in 10 Jahren überarbeitet auf den Markt zu bringen, denn es steckt Potential darin!

Handlung         3/5
Charaktere       4/5
Lesespaß         3/5
Sprache           5/5
Preis/Leistung  3/5
Ergibt 3,6 Sterne !!!

Montag, 5. September 2011

[REZENSION] ... die hellen Tage ...

Liebe Leser,
das Gedicht der Woche ist ausnahmsweise unserem Ausflug nach Prag zum Opfer gefallen und da wir gerade immer noch Urlaub machen werde ich es diese Woche mal ausfallen lassen und Euch stattdessen ein wunderschönes Buch / Hörbuch vorstellen...denn es ist fast so poetisch wie ein Gedicht...

                                                                                    Titel: Die hellen Tage
Autorin: Zsuzsa Bánk 
Verlag: S.Fischer
Seiten: 540 
Preis: 21,95 Euro 

Dieses Buch ist ebenfalls als Hörbuch erschienen: 
Verlag: AUDIOBUCH
6CDs
Preis: 24,95€ 


"Die hellen Tage behalte ich, die dunklen gebe ich dem Schicksal zurück" 

Als ich die "hellen Tage" von Zsusza Bánk zum ersten Mal in den Händen hielt, habe ich bereits geahnt, dass es keine leichte Kost sein wird, doch mit einer solchen Vielschichtigkeit, die dabei so belanglos und leichtfüßig erzählt wird habe ich nicht gerechnet.

Inhalt: 
Zsuzsa Bánk überlässt das Erzählen ihrer jungen Protagonistin Seri. Und Seri hält es gar nicht für nötig sich vorzustellen sondern redet drauf los. Sie fängt an über Evi zu erzählen, in deren Garten sie mit  ihrer Tochter Aja und dem gemeinsamen Freund Karl spielt. Die Kinder beobachten Evi wie sie mit Siggi leichtfüßig zu einer unhörbaren Musik tanzt und denken sich, dass es auch für sie später so sein wird. Doch mit ihren Kinderaugen sehen sie nur einen Bruchteil dessen was in den beiden Erwachsenen vorgeht. Siggi ist ein Trapezkünstler und das ganze Jahr über mit dem Zirkus unterwegs um Geld zu verdienen, das er seinen Liebsten schicken kann. Evi und Aja sehen ihn nur wenige Wochen im Jahr und können nichts tun um ihn zu Hause zu halten.

Und auch Seri ist ohne Vater groß geworden, denn dieser ist kurz nach ihrer Geburt gestorben. Seitdem fährt Seris Mutter seinen Koffer auf dem Vordersitz des Wagens spazieren und lässt niemand anderen auf diesen Platz. Und vielleicht wurden die Kinder durch die Schicksalschläge ihrer Eltern vereint, denn auch Karls Familie ist vor einigen Jahren zerbrochen als Karls Bruder Ben an einem schönen Tag einfach so in ein fremdes Auto stieg und niemals zurückkehrte.
Die Kinder spielen ahnungslos miteinander und teilen auf die gleiche stille Art ihr Schicksal miteinander und so kommt es wie es kommen muss- auch ihre Mütter finden zu einander und helfen sich gegenseitig über die dunklen Tage hinweg.

Durch Seris urteilsfreie Erzählart erleben wir als Leser alles mit, was diese drei Familen seit den 60er Jahren bis zum Mauerfall 89 erleben. Wir leiden mit Ihnen, wir sind mit ihnen glücklich und wir decken zusammen mit den Müttern Geheimnisse auf, die vielleicht lieber verborgen geblieben wären...

Meine Meinung: 
Wer eine seichte Urlaublektüre erwartet, der sollte sich besser ein anderes Buch zulegen, bevor er dann später enttäuscht schelcht darüber urteilt. Dieser Roman ist keine leichte Kost, dieses Buch ist schwer verdaulich und nicht immer leicht zu kauen.

Zugegeben: ich hatte zu Beginn auch ein paar Schwierigkeiten hineinzukommen, denn es erschien alles so banal, ich wusste erstmal lange nicht wer der Erzähler ist und was mich erwartet. Das Buch war über längere Zeit tatsächlich langatmig und fast schon gewollt melancholisch aber je weiter ich vorankam desto schockierter stellte ich fest wie Seri als Erzählerin es schafft solch schreckliche Erkenntnisse dermaßen nebensächlich und doch so voller Traurigkeit rüberzubringen. Wie kann etwas so banal Erzähltes so traurig wirken?

Zsuzsa Bánk schafft es nicht nur die Leser in Melancholie zu versetzen sondern auch immer wieder zu überraschen. Der Plot ist bis ins kleinste Detail durchdacht und das meiste wirkt unheimlich stimmig. Es gibt höchstens eine oder vielleicht zwei Stellen an denen ich die Reaktionen der Beteiligten als übertrieben empfunden habe, in denen etwas künstlich zu sehr dramatisiert wird und es einfach nicht mehr zu dem Rest passt.


Zum Hörbuch: 

wie ich oben erwähnt habe, ist das Buch "Die hellen Tage" bereits als Hörbuch auf 6 CDs erschienen. Gelesen wird es von Doris Wolters, die es vermag Gefühle so weiterzugeben, dass man als Zuhörer glaubt, dass es sich tatsächlich um Seri handelt, die aus ihrem Leben erzählt. Doris Wolters Stimme ist sehr beruhigend und passt wunderbar zu diesem Buch.

Fazit:
Szusza Bánk hat ein anspruchsvolles und sehr vielschichtiges Buch über das Leben mit seinen hellen und dunklen Tagen geschaffen, das seine Leser in eine Melancholie versetzt aus der man auch lange Zeit nach der Lektüre nur schwer hinauskommt. Letzten Endes gibt sie einem noch nicht einmal das Gefühl vom "Happy End" denn der Leser weiß, dass solche Erfahrungen einen bis zum Ende begleiten, auch denn wenn man vergibt und zu vergessen beginnt.


Thematik          5/5
Handlung         5/5
Charaktere       4/5
Lesespaß         4/5
Sprache           5/5
Ergibt glatte 4,6 Sterne

Mittwoch, 6. Juli 2011

[REZENSION] ... die Freundin meines Sohnes ...

Da es bei mir zur Zeit ein wenig stressig zugeht, gibt es heute eine etwas kürzere Rezension die schon lange überfällig war...
Im Moment hinke ich mit meinen Rezis ein wenig hinterher aber versuche es demnächst noch alles aufzuarbeiten, denn je länger ich warte, desto schwieriger erscheint mir die Beurteilung...



Nun aber zum Inhalt:
Der Roman erzählt die Geschichte zwei wohlhabender Familien, die sich Ihren Reichtum hart erarbeitet haben und nun alles dafür geben damit es den eigenen Kindern an nichts mangelt.
Doch dann läuft etwas schief. Die Tochter der Sterns - Laura, wird mit 17 schwanger, verheimlicht jedoch diese Schwangerschaft und tötet das neugeborene Baby auf einer öffentlichen Toilette. Sie hat jedoch sehr viel Glück (und  vor allem Vitamin B :)  und statt ins Gefängnis wird sie für einige Jahre in die Psychiatrie geschickt. Mit 30 kommt Laura zu Ihren Eltern zurück und verliebt sich in den 20 jährigen Sohn der befreundeten Familie. Erstaunlicherweise hat der Sohn Alec nichts gegen die 10 Jahre ältere "Kindsmörderin" und erwiedert nur allzu schnell ihre Liebe. So beginnt eine "Liebelei" die Alecs Vater - Pete Dizinoff überhaupt nicht in den Sinn passt. Denn er möchte seinen heißgeliebten Sohn auf dem College sehen und nicht in den Armen der Kindsmörderin...
Meine Meinung:
Der Roman zeigt wohl deutlich, dass kein Geld der Welt die Kinder vor falschen Entscheidungen retten kann und im Falle dieser beiden Familien hatte ich sogar das Gefühl, das Geld würde den Kindern nur noch mehr Schaden zufügen.
Es ist ein Drama, das sich nur langsam zuspitzt, bis zum Schluß weiß man nicht recht was da auf einen zukommt. Teilweise fällt zwar die Spannung aber der gut durchdachte Inhalt und der Plot machen das wieder wett.
Der Roman ist keinesfalls fantastisch. Alles darin erinnert an die reale Welt, nichts darin scheint überspietzt oder unglaubwürdig und daher ist dieses Buch ein wahres Vergnügen für Leser, die gerne lebensnahe Erzählungen lesen. 



Fazit:

Thematik           5/5
Handlung           5/5
Charaktere         3/5
Lesespaß            4/5
Sprache              5/5
Wer gerne Gegenwartsliteratur liest und nicht unebdingt einen spannungsgeladenen Plot erwartet, wird dieses Buch mögen!  Von mir gibts 4,4 Sterne! 

Donnerstag, 9. Juni 2011

[BUCH / REZENSION] ... anständig essen ....

 
Bei diesem Buch habe ich mir nach dem Lesen ein paar Tage Zeit gegönnt um meine Gedanken zu ordnen um zu einer richtigen Wertung zu kommen. Denn oft neige ich dazu alle Bücher, die die Missstände der Tierhaltung aufdecken allzu postiv zu bewerten, da schon alleine die Tatsache, dass ein solches Buch auf den Markt kommt, zeigt, dass wir uns im Aufbruch befinden.
Karen Duve hat es nun auch mal gewagt und fast ein Jahr lang versucht "anstädnig [zu] essen" Ob und wie es ihr gelang hat sie in diesem Buch dokumentiert. Den Anstoß für zu diesem Schritt gab Karen ihre Freundin Kerstin - die in dem Buch übrigens nur noch Grille genannt wird - als Anspielung auf Pinocchios "Gewissensgrille"
Karen Duve startet also als Bio-Esserin in das neue Jahr und möchte sich alle zwei Monate steigern. Sie erforscht die Supermärkte und auch die kleineren Geschäfte und deckt schon bald auf, dass Bio nicht gleich Bio ist und dass auch Bio Rinder und Schweine leiden und ebenfalls ermordet werden.
Es folgen die weiteren zwei Monate, in denen Karen Duve nun vegetarisch isst. Sie schreibt über die Tatsache wie viele Menschen sich unberechtigt "Vegetarier" nennen indem sie weiterhin Fisch, Hackfleisch oder Hühnchen essen. Sie erwähnt auch das Problem mit der Gelatine auf die auch nur wenige Vegetarier Wert legen aber vergisst dabei völlig, dass auch Käse nicht immer vegetarisch ist! Gerade der gute, alte Käse, meist auch Biokäse wird mit Lab hergestellt, das aus den Mägen kleiner Kälber gewonnen wird. So etwas darf in einem Buch wie diesem nicht fehlen! Tut es aber  doch und das stört mich schon sehr, denn ich bin davon überzeugt, dass viele Vegetarier diese Tatsachen gar nicht kennen!
Wenigstens schreibt Karen Duve darüber wie sehr Milchkühe und Legehennen leiden und verschweigt auch nicht die Tatsache, dass Vegetarier genau so "morden" wie die Fleischesser. Zwar essen sie Ihre Opfer nicht direkt auf aber mit der Milch und den Eiern haben sie doch keine weiße Weste. Ihr glaubt es nicht? So ist es aber! Damit eine Kuh Milch gibt muss sie jedes Jahr oder alle zwei Jahre ein Kalb gebären. Wir wollen mal die Gefühle einer Kuh außer Acht lassen, die unbefragt besamt wird und alleine Wert auf das neugeborene Kalb legen, dass direkt nach der Geburt der Mutter weggenommen und in einen ca. 1,4 m x 1,1 m Kälberiglu bis zu 12 Wochen in Einzelhaft gehalten wird. Dieses Kalb sieht weder seine Mutter noch bekommt es irgendwelche Zuwendung. Stellt euch das mit einen Neugeborenen Baby vor! Dann ist da noch die Mutterkuh, was für ein Leben führt sie wohl? Ist es artgerecht? ist es überhaupt schmerzfrei bei den heutigen überzüchteten Rassen? Und wie lange lebt so eine Kuh? - Das kann man alles mit Nein beantworten und das Leben der Kuh enden dann wenn sie nicht mehr genügend Milch gibt!
So ähnlich geht es den Hühnern wobei da bereits kurz nach der Geburt gemordet wird. Die männlichen Küken, werden gleich nach dem Schlüpfen erstickt oder geschreddert - sie legen ja keine Eier! Die weiblicken Küken werden in Kartons verpackt und abtransportiert. Wie es weiter geht hat bestimmt schon jeder gesehen!
Nun ja, die plausible Schlußfolgerund ist vegan zu werden und das macht Karen dann auch. Es folgen 4 Monate in denen sie sich vegan ernährt. Vier Monate einfach deswegen weil es gar nicht so einfach ist, denn als Veganer achtet man nicht nur auf das was man in sich reinschaufelt sondern auch beim Kauf von Kosmetik, Putzmitteln und Kleidern. Alles andere wäre inkosequent und das sieht auch Karen Duve ein.
Zunächst einmal stellt sie fest, dass es kaum noch Fertigprodukte gibt, die vegan sind - überall steckt Milch oder Hühnereiklar drin auch in Produkten die scheibnbar extra für solche "Tierfreunde" gemacht wurden. Grille gibt hier bereits auf, denn sie schafft es nicht auf ihre heißgelibte Milch zum Tee zu verzichten und auch der vegane Käse kommt bei beiden nicht gut an!
Ich mochte diesen Teil des Buches sehr, denn ich selber versuche schon seit geraumer Zeit vegan zu leben und stelle die gleichen Tatsachen fest: Bienen tun mir einfach nicht so sehr leid wie andere Tiere ( vielleicht hat man von Natur aus weniger Mitleid mit Insekten?!) und so stehe ich oft vor dem Regal fast völlig veganer Riegel und denke drüber nach ob ich nun wirklich darauf verzichten soll nur weil da ein Tropfen Honig drin sein könnte...auch der vegane Käse schmeckt mir nicht und völliger Käseverzicht ist schon eine Qual. Da hat Karen Duve recht. Warum wollen Veganer nicht auch mal zugeben, dass diese Art zu Leben doch einen Verzicht bedeutet? Natürlich gewöhnt man sich daran wie man sich an alles gewöhnen kann aber zu Beginn ist es doch sehr hart und ich - obwohl ich mich für konsequent halte - schaffe es oft nicht es immer durchzuhalten.
Nach 4 Monaten schafft es Karen Duve dann doch sogar auf alle Lederschuhe und Federbetten zu verzichten. Sie isst ausschließlich vegan und ist nun bereit für die nächste Stufe: Frutarier! Ja, davon gibt es nur wenige auf der Welt. Mag sein, weil diese Ernährungsform doch sehr eingeschränkt ist und das merkt auch Karen sehr bald.
Denn man darf nur das essen, was die Pflanze nicht tötet - also alles was von den Bäumen fällt :) Aber auch Getreide da es geernet wird wenn die Plfanze bereits tot ist. Sowas wie Kartoffeln und Zwiebel geht dann gar nicht. Viele Gewürze auch nicht mehr...
Warum sich das antun? Weil Pflanzen ja vielleicht doch Schmerz empfinden?! Wer weiß das schon. Im Studium lernt man zwar, dass Schmerzempfinden einer Pflanze nichts nützen würde - weglaufen kann sie ja nicht. Aber ist wirklich alles was Natur hervorbringt nützlich? Da man bis vor Kurzem die Tiere noch immer für gefühllose Maschinen hielt - und manche tun es noch immer - sollte man vielleicht nicht gleich drüber lachen wenn einer der Pflanze ebenfalls Schmerzempfinden zuspricht.
Das waren jetzt alles Aspekte für Tierrechte aber Karen Duve beschreibt auch die Folgen der Tierhaltung für unsere Erde, denn keine Fabrik produziert so viel CO2 und Methangase wie die Rinderhaltung. Nichts versaut mehr das Grundwasser als die intensive Schweinehaltung! Wer auf ein Steak verzichtet könnte übrigens ein Jahr lang ohne schlechtes Gewissen duschen! Und eine arme Familie in der dritten Welt könnte theorisch von dem Getreide, was wir in ein Steak von 180 g stecken eine ganze Woche lang leben!
Wollen wir also friedlich weiter wachsen und die Erde für unsere Nachkommen erhalten bleibt und nichts anderes übrig als auf Fleisch zu verzichten! Leider kommen diese Argumente bei Karen Duve zu kurz.
Am Ende - und das hat mich zunächst einmal sehr enttäuscht - kommen Karens Schlußfolgerungen und die Vorsätze für die Zukunft. Als ich das fettgedruckte: "Ich verzichte auf das Fleisch aus der Massentierhaltung" las, war ich dann doch völlig verwundert. Denn gleich zu Beginn schreibst sie selbst, dass sollte man einmal die Augen und das Mitgefühl aufgebracht haben, es keinen Weg mehr zurück zum Fleischkonsum gibt. Genau das empfinde ich nämlich auch und könnte deshalb auch keinen solchen Vorsatz formulieren. Was soll dieses ganze Projekt dann? Wollte die Frau nur auf die "grüne Welle" aufspringen und mitreiten? Schön bequem Geld verdienen? Hat sie im Grunde gar nichts aus dem Selbstversuch gelernt? Vielleicht sind 9 Monate einfach nicht lang genug gewesen? Ja, dieses Ende hat mich schon sehr enttäuscht.
Andererseits was nützt es wenn die Frau lügt? Soll sie doch mit schlechten Gewissen ihr Steak essen, sie wird es sowieso nicht lange mitmachen können - davon bin ich fest überzeugt und deswegen mache ich Ihr da keinen Vorwurf.
Fazit: Wer Fakten sucht, sollte doch zu Richard David Prechts "Noahs Erbe" greifen, wer jedoch einen interessanten Selbstversuch lesen möchte, der vielleicht nicht alle Fakten abdeckt aber schon einen groben Eindruck der ganzen Situation vermittelt, wird dieses Buch sehr gut finden. Ich habe es lieber gelesen als Foers "Tiere essen" weil es trotz allem Ernst auch noch spannend und witzig geschrieben ist und nicht nur alles schön und postiv beschreibt was auf Dauer jeden nervt.
Wir Menschen haben Schwächen und möchten gerne auch etwas über Menschen die uns ähnlich sind lesen und nicht von Perfektionisten die schweinbar alles können und auf Anhieb schaffen! Wer also schon mal vegetarisch/vegan leben wollte aber sich von den "perfekten" Besserwissern hat abschrecken lassen, sollte es mit diesem Buch noch einmal versuchen!
In Sternen ausgedrückt ergibt es folgendes Bild:

Inahlt                      5/5
Info.Qualität            4/5
Lesespaß                5/5
Lebensnähe             4/5
Preis/Leistung          5/5
Das ergibts 4,6 Sterne!

Dienstag, 17. Mai 2011

[BUCH / REZENSION] ... Wir sind die Könige von Colorado ...


Wow! So muss diese Rezension einfach beginnen. Anders kann ich es nicht ausdrücken! Denn ich frage mich ernsthaft wo solche Bücher waren, als ich mich durch meine Schulliteratur geplagt habe? 

Nun, erst einmal zum Inhalt:
Will ist gerade mal 13 als er seinem Vater ein Messer durch die Rippen jagt. Er macht es nicht für sich sondern für seine Mutter, die vom Vater auf brutalste Art und Weise missbraucht wird. Jahrelang hat Will die Schreie, die blauen Flecke und die Vergewaltigungen mit angesehen aber sich nie getraut etwas dagegen zu unternehmen. Bis zu den Augenblick, an dem er fest davon überzeugt ist, dass der betrunkene Vater, wenn er nicht aufgehalten wird, die Mutter tötet. Doch dieser überlebt -  während Will zu zwei Jahren Erziehungsanstalt verurteilt wird. 

Kurz darauf landet Will in Colorado wo er zusammen mit anderen "Gefangenen" wilde Pferde zähmen soll. Bald findet Will Freunde; den belesenen Coop, der nie ohne ein Buch in der Hand unterwegs ist, den kleinen Mickey und den allerbesten Freund überhaupt - Benny. 

Doch die Freunde müssen bald feststellen, dass nicht nur die Pferde gezähmt werden sollen, sondern auch der Wille der Jugendlichen. Dort sind sind sie nicht nur dem pädophilen Aufseher ausgeliefert sondern auch dem sadistischen Mithäftling Silas, dessen Augen den Wahnsinn ausstrahlen und den Jugendlich ganz schön Anst einjagen...

Als dann einige Pferde ausbrechen und die Freunde zusammen mit anderen Jugendlichen - darunter auch Silas -  unter Aufsicht von zwei Aufsehern in die Wildnis aufbrechen, merken sie schon bald dass es ein Ausflug in den Tod werden könnte und sie verstehen -  sollten Sie das Camp jemals heil verlassen, werden sie nie wieder die selben sein! 

Meine Meinung: 
Mich hat schon lange kein Jugendbuch mehr so stark berührt wie die "Könige von Colorado" Der Autor schafft es die Charaktere so lebendig wirken zu lassen, dass man sie sofort lieb gewinnt und für sie betet und mit ihnen trauert! 
Teilweise wollte ich mich mit einer Taschenlampe unter der Bettdecke verkriechen, teilweise stiegen mir die Tränen in die Augen und ich musste wirklich unterbrechen. Und immer wieder, besonders zum Ende hin habe ich förmlich darum gebetet, dass das Ganze doch noch ein gutes Ende nehmen möge. 

Natürlich habe ich das Buch auch unter dem Aspekt der Schullektüre betrachtet und habe festgestellt, dass es sich doch genau so gut eignet wie der "Herr der Fliegen" - mit dem die "Könige von Colorado" ja auch vielerorts verglichen wird. Ja, dieser Roman ist für mich genau das Richtige um Jugendlichen das Lesen schmackhaft zu machen, natürlich nicht in der 5ten oder 6ten Klasse aber ab Klasse 7 oder 8 ist es völlig ok, schließlich sind die Protagonisten des Romans auch gerade 13 als sie in der Erziehungsanstalt landen. 

Was das Buch noch zu einer guten Schullektüre macht ist die Art wie David E. Hilton die Spannung aufbaut und seine Leser total verwirrt. An Stellen, an denen diese Spannung abflaut baut er einfach einen Satz ein, der einen Blick in die Zukunft erlaubt und somit wieder fesselt. An anderer Stellen, an denen man sich einer Sache sicher ist kommt wieder so ein Zukunfstblick, der  jedoch in eine völlig andere Richtung lenkt. Man wartet plötzlich auf das Allerschlimmste und ist komplett überrascht und wahnsinnig glücklich, wenn das Erwartete doch nicht eintrifft. 


Handlung             5/5
Charaktere          5/5 !!!
Lesespaß            5/5 !!!
Sprache               5/5
Preis/Leistung     5/5

Fazit:
Dieses Buch ist ein Meisterwerk und drängt nach Jahrzehnten "Herr der Fliegen" vom Thron! Unbedingt lesenswert nicht nur für Jugendliche, denn David E. Hilton beherrscht die Erzählkunst wie kaum ein anderer Jungautor! 

Mir genügen hier keine 5 Sterne mehr um meine Begeisterung auszudrücken, deswegen setze ich dem Buch noch eine goldene Krone auf!!! 5 mit Sternchen und Ausrufezeichen! Beziehungsweise ganze 6 Sterne!

Dienstag, 3. Mai 2011

[BUCH / REZENSION] .... Hemmersmoor - schaurige Satire ...

Als ich die Leseprobe zu dem Buch las, war ich mir ganz und gar nicht sicher um welche Art Buch es sich dabei handelt. Irgendwie kamen mir die Szenen so grotesk und zugleich albern vor, dass ich den Roman zunächst einmal für ein ziemlich witziges und nicht ernst zu nehmendes Buch hielt. Nun, nachdem ich es zu Ende gelesen habe, kann ich sagen, dass es sich dabei wohl um eine ziemlich schaurige Satire handelt.
Christian und seine Freunde wachsen in einem norddeutschen Dorf auf, das scheinbar ziemlich isoliert und fernab jeder Stadt liegt. Dort erleben Sie Dinge, die Kinder nicht erleben sollten. Es wird gemordert, misshandelt und vergewaltigt. Es gibt Fälle von Inzest und Grausamkeiten die man kaum beschreiben kann. Mal werden Überreste von Neugeborenen entdeckt, mal werden Kinder von ihren Väter missbraucht, dann im Eifer des Gefechts Neuzugezogene ermordet.
In jedem Kapitel kommt die dunkelste Seite des Menschen ans Tageslicht um gleich wieder tief vergraben zu werden, denn egal wie grausam etwas auch sein mag, alles wird wieder unter den Teppich gekehrt. Nichts wird in die Welt hinausgetragen, denn dieses Dorf hält zusammen was auch immer kommen mag.
Der Roman wird mit den Werken von E.T.A. Hoffmann verglichen und das zurecht! Auch ich habe beim Lesen an Hoffmann denken müssen, denn anders als typische Horror Autoren wie zum Beispiel Stephen King, geht es Kiesbye nicht drum dem Leser Angst einzujagen, er berichtet fast schon sachlich über all die schrecklichen Vorfälle in dem Dorf und man wird als Leser sich und seiner Fantasie überlassen...
Auch wenn der Roman zu Beginn an eine Ansammlung schrecklicher Kurzgeschichten erinnert und man erst langsam einen Zusammenhang erkennt, kommt gegen Ende doch eine recht überraschende Wende, die die schrecklich netten Bewohner noch einmal in ein ganz anderes Licht stellt.
Als ich fertig war, habe ich erneut den Prolog gelesen und beim zweiten Durchgang noch mehr Details erfahren, so dass ich jedem raten würde dasselbe zu tun.
Fazit: Eine intelligente Satire mit fast grotesk wirkenden "Schauerelementen". Prädikat lesenswert!!!
Handlung 4/5
Charaktere 5/5
Lesespaß 5/5
Sprache 5/5
Preis/Leistung 5/5
Ergibt: 4,8 von 5 Punkten
Absolut empfehlenswert!!!