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Sonntag, 30. Oktober 2011

[OPAW] ... Herbst ...

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.

Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.

Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.

(Rainer Maria Rilke)

Sonntag, 31. Juli 2011

[OPAW] ... aus "Nach dem Sommer" #2 ...

Heute gibt es wieder ein Gedicht von Rilke und schon wieder stammt es aus dem Roman: "Nach dem Sommer" von Maggie Stiefvater (ihr könnt diesen Ausschnitt auf Seite 195 der deutschen Ausgabe finden)

und so sieht das komplette Gedicht aus: 


Der Dichter 


Du entfernst dich von mir, du Stunde.
Wunden schlägt mir dein Flügelschlag.
Allein: was soll ich mit meinem Munde?
mit meiner Nacht? mit meinem Tag?

Ich habe keine Geliebte, kein Haus,
keine Stelle auf der ich lebe
Alle Dinge, an die ich mich gebe,
werden reich und geben mich aus

Sonntag, 1. Mai 2011

[OPAW] ... Der Einsame ...

Heute habe ich ein wunderschönes Gedicht von Rilke entdeckt und möchte es mit Euch teilen. Wer dieses Gefühl nur im Entferntesten kennt, wird das Gedicht verstehen und es lieben!

Wie einer, der auf fremden Meeren fuhr,
so bin ich bei den ewig Einheimischen;
die vollen Tage stehn auf ihren Tischen,
mir aber ist die Ferne voll Figur.

In mein Gesicht reicht eine Welt herein,
die vielleicht unbewohnt ist wie ein Mond,
sie aber lassen kein Gefühl allein,
und alle ihre Worte sind bewohnt.

Die Dinge, die ich weither mit mir nahm,
sehn selten aus, gehalten an das Ihre -:
in ihrer großen Heimat sind sie Tiere,
hier halten sie den Atem an vor Scham.