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Mittwoch, 28. September 2011

[BUCH / REZENSION] ... ein Junge, der in die Welt hinauszieht...

Könnt ihr Euch vorstellen, dass ich diese Rezension seit Ende Mai vor Euch verstecke? Ich kann es selbst kaum glauben, aber es ist wahr! Tatsache ist, dass ich mir von dem Roman "Die Karte meiner Träume" so viel erhofft hatte und wurde dann so sehr enttäuscht, dass ich mir Zeit lassen wollte um meine Meinung vielleicht zu überdenken. Aber auch vier Monate später bin ich immer noch davon überzeugt, dass der Autor des Romans zu viel Potenzial einfach nur verschwendet hat. Denn das Buchformat - ja, es ist als Hardcover riesig und schwer! - und die liebevollen Notizen und Skizzen am Buchrand sind dermaßen süß, dass man sofort davon ausgeht, dass auch der Inhalt perfekt sein muss...

  
Titel: Die Karte meiner Träume
Autor: Reif Larsen
Verlag: Fischer
Seiten: 435
Originaltitel: The Selected Works of T.S. Spivet
ISBN:
978-3100448118 
Preis: [D]  gebunden, mit Schutzumschlag: 22,95 € 
                 Taschenbuch 12,95 €




Inhalt:

Ein hochbegabter Junge, der in die Welt hinauszieht und weit ab von zu Hause endlich die Liebe seiner Eltern findet...
....das ist wohl die treffendste Kurzzusammenfassung des über 400 Seiten dicken Buches. Aber ich erzähle Euch natürlich noch ein wenig mehr bevor ich zu meiner Meinung übergehe:
Der kleine T.S wächst auf einer Ranch in Montana auf. Nachdem sein Bruder an Folgen eines Unfalls stirbt fühl sich T.S alleine gelassen, denn sein Vater - der Rancher - liebte nur den jetzt toten Bruder Layton, der ein echter Cowboy war und alles konnte was ein Rancher können muss. Und auch T.S.` Mutter ist so sehr in ihre Arbeit als Wissenschaftlerin vertieft, dass sie gar keine Ahnung davon hat was T.S in seiner Freizeit treibt. Und über die Schwester Gracie brauchen wir gar nicht reden, denn diese ist - ein typisches Mädchen - und möchte sich mit ihrem komischen Bruder gar nicht erst abgeben! Sie träumt lieber vom Rampenlicht und dem roten Teppich. 
Nur Dr. Yorn, Freund der Mutter (die T.S nur Dr. Clair nennt und niemals "Mom" oder "Mama") scheint sich für die Arbeiten des Kleinen Genies zu interessieren und besorgt ihm einen Job im Smithsonian Museum in Washington D.C. Für dieses Mueseum zeichnet T.S. seine wundervollen Karten und detaillierte Darstellungen von Käfern. Und bei dem Talent des Jungen dauert es nicht lange und das heimische Telefon klingelt. Am anderen Ende der Leitung ist Mr. Jibsen, der dem Jungen gratuliert und mitteilt, dass er nun für seine Arbeit geehrt werden soll und deswegen bis Donnerstag nach Washington kommen sollte. Doch Herr Jibsen weiß nicht, dass er mit einem 12 Jährigen spricht und auch T.S. verschweigt die Wahrheit. Kurzentschlossen packt er seine Sachen und macht sich heimlich und mit nur 35 Dollar in der Tasche auf den Weg nach Washington...
Meine Meinung: 
Man könnte also meinen, dass es in diesem Buch um die Reise des Jungen geht und die Abenteuer, die er bei dieser aufregenden Reise erlebt, denn die Geschichte an sich hat wirklich unheimlich viel Potential aus dem der Autor jedoch gar nichts macht  Nein, im Gegenteil!!! Die Reise ist so schnell vorbei, dass man kaum etwas mitbekommt! Ein Mal der Ausstieg um sich bei McDonalds etwas zu holen und dann erst wieder Spannung, nachdem die Reise in Chicago eigentlich schon endet! Und anstatt etwas zu erleben entdeckt der Junge im Zug das Notizbuch seiner Mutter und fängt mit dem Lesen an. Er ist völlig veriwrrt, denn seine Mom arbeitet nicht an Käfern, wie er vermutet sondern an der Ahnenfoschung wie es scheint. Ok, ich habe mich auch auf diese Geschichte eingelassen und hatte gehofft, dass sich daraus mehr entwickelt. Doch letztendlich verläuft auch dieser Strang im Sand.
Irgendwie wurde ich am Ende der Lektüre das Gefühl nicht los, dass der Autor ganz viel schreiben wollte aber mittendrin gemerkt hat, dass sein Buch vielleicht zu dick werden könnte und daraufhin alles, was hätte spannend werden können auf ein Mindestmaß gekürtzt. Denn auch das Ende wirkt völlig konstruiert und nicht zu Ende gedacht. Es werden unglaublich viele spannende Ideen aufgegriffen und wieder fallen gelassen. Jeder einzelne Verlaufsstrang endet abrupt und erscheint irgendwie unfertig. Ich habe mir so viel von dem Buch verspochen und wurde nun doch bitter enttäuscht. Denn es liest sich wirklich so, als wäre der Roman auf die Hälfte seiner ursprünglichen Größe gekürzt worden. Das Ende scheint überhaupt nicht mehr dazu zu passen...
Leider helfen auch die vielen Randskizzen und Bemerkungen nicht weiter. Hätte ich das Manuskript des Autors lesen dürfen, wäre ich niemals auf die Idee gekommen es genau so zu drucken, sondern hätte ganz stark dazu geraten ein paar der Stänge rauszunehmen und sich auf die Reise und das Ende zu konzentrieren. Vielleicht kommt der Mann ja selber noch auf die Idee das Buch in 10 Jahren überarbeitet auf den Markt zu bringen, denn es steckt Potential darin!

Handlung         3/5
Charaktere       4/5
Lesespaß         3/5
Sprache           5/5
Preis/Leistung  3/5
Ergibt 3,6 Sterne !!!

Montag, 18. Juli 2011

[BUCH / HÖRBUCH] ... Schrecksenmeister ....


Autor: Walter Moers
Verlag: HB HörbucHHamburg / HC PIPER
Seiten: HB 12 CDs / HC 384
ISBN HB: 978-3869090733
ISBN HC: 978-3492049375
Preis HB: 29,99 Euro
Preis HC: 22,90 Euro
Preis TB: 10,95 Euro


In dem neuen Roman von Hildegunst von Mythenmetz - bitte hier nichts durcheinander bringen, denn oft meinen die Leser Walter Moers hätte den "Schrecksenmeister" geschrieben! Nein - Walter Moers hat ihn lediglich aus dem Zamonischen ins Deutsche übersetzt, nicht mehr und nicht weniger!
Nun gut, das hätten wir geklärt...
Inhalt: 
Zu Beginn von "Schrecksenmeister" lernen wir "Sledwaya" kennen, eine Stadt die bereits nach Schnupfen und Krankheit klingt und da wundert es einen fast gar nicht wenn Hildegunst von Mythenmetz diese als den krankesten Ort von ganz Zamonien beschreibt. Die Bewohner von Sledwaya begrüßen sich mit "Ohwehohweh" und verabschieden sich mit "Gute Besserung". Der Geruch von Urin und Krankheit liegt in der Luft und über allem thront ganz oben auf einem Berg das Schloss von "Eißpin dem sehr Schrecklichen". Der Schrecksenmeister kümmert sich drum, dass die Leiden der Stadtbewohner nie versiegen und erfindet Gesetze, die den Schrecksen die Rechte nimmt den Bewohnern von Sledwaya zu helfen.
Und genau diesem Eißpin dem sehr Schrecklichen begegnet die halbverhungerte Kratze Echo. Echo ist wohl das allerletzte Krätzchen von Zamonien und was Echo von anderen Katzen unterscheidet ist nicht das "r" in K(r)atze sondern die Fähigkeit alle Sprachen der Welt zu sprechen. Echo kann nämlich mit jedem Tier kommunizierten und sich eigentlich alles einmal gesagte merken. Doch Eißpin braucht das Krätzchen nicht wegen seiner Gabe sondern nur um das Fett der Kratze auszukochen und schlägt deswegen einen schrecklichen Pakt mit dem halbverhungerten Echo: Einen Monat lang wird sich Eißpin höchstpersönlich um die Kratze kümmern und ihr alle Delikatessen servieren, die sich Echo nur vorstellen kann doch bei Schrecksenmond soll die Kratze dann von Eißpin ausgekocht und verarbeitet werden. Der Vertrag ist grausam und doch unterschreibt Echo ihn. Warum? Weil es dem Krätzchen sinnvoller erscheint einen Monat länger zu leben als in den  nächsten Tagen auf den Straßen von Sledwaya grausam zu verhungern.
Und so beginnt das Abenteuer von Echo, der zunächst einmal ohne  nachzudenken alles in sich hineinschaufelt was Eißpin serviert und erst als er langsam fett wird begreift, dass ihm nicht mehr viel Zeit bleibt...
Meine Meinung:
Ich habe "Schrecksenmeister" genau wie "Die Stadt der träumenden Bücher" als Hörbuch gehört - denn diese gibt es als ungekürzte Lesung - und war zunächst ein klein wenig enttäuscht, denn "Schrecksenmeister" wird nun von Andreas Fröhlich gelesen, "Die Stadt der träumenden Bücher" jedoch von Dirk Bach und meiner Meinung nach passt nichts besser zu den Zamonischen Büchern als Dirk Bach! Seine Stimme ist einfach DIE Stimme für Hildegunst von Mythenmetz. Aber was soll ich sagen? Man gewöhnt sich auch an Andreas Fröhlich, denn auch er macht es wirklich gut und kann fast genau so viele Stimmen nachmachen wie Dirk Bach - um ehrlich zu sein ist es völlig ok für den "Schrecksenmeister" denn auch dieser Roman ist kein direkter Nachfolger von "Die Stadt der träumenden Bücher" sondern nur eine Erzählung von Hildegunst von Mythenmetz -> kann also ohne Sorge auch vor allen anderen der Reihe gelesen werden.
Ein wenig traurig bin ich nur weil auch der direkte Nachfolger "Das Labyrinth der träumenden Büchern" auch von Andreas Fröhlich gelesen wird, aber erstens ist es meine persönliche Meinung und zweitens hat es nun gar nichts mit dem Schrecksenmeister zu tun...
...deswegen mache ich einfach mal weiter....
 Wie schon oben erwähnt erzählt dieser Roman eine eigenständige Geschichte ohne die bereits bekannten Personen zu verwenden. Dadurch entsteht ein sehr selbstständiger Eindruck und man vermisst auch nicht unbedingt etwas. Einziger Kritikpunkt ist vielleicht die Kompaktheit - besser die "Beschränktheit" dieser Erzählung, denn Echo geht kaum in die Welt hinaus. Er erlebt das meisten innerhalb der Schlossmauern und der weiteste Weg führt ihn in den Unkenwald der wohl sogar noch zu der Stadt Sledwaya gehört. Das macht die Erzählung nicht so abentuerlich und fantastisch wie man es aus "Die Stadt der träumenden Büchern" kennt aber keineswegs langweilig.
Man lernt Echo kennen und zugleich lieben, denn dieser ist doch nur eine ganz gewöhnliche K(r)atze und man kommt nicht umhin mit ihm zu leiden und zu kämpfen. Moers - Verzeihung - Mythenmetz hat es drauf und schafft es einen immer wieder zum Lachen zu bringen und zugleich zu fesseln.
Kleine Abstriche macht man da wirklich nur dann wenn man "Die Stadt der träumenden Bücher" kennt. 
Fazit: 

Thematik             4/5
Handlung            5/5
Charaktere          5/5
Hörspaß              4/5
Sprache              5/5


Das ergibt 4,6 Sterne und aufgerundet wiederum 5 ! Ist das nicht toll?

Dienstag, 17. Mai 2011

[BUCH / REZENSION] ... Wir sind die Könige von Colorado ...


Wow! So muss diese Rezension einfach beginnen. Anders kann ich es nicht ausdrücken! Denn ich frage mich ernsthaft wo solche Bücher waren, als ich mich durch meine Schulliteratur geplagt habe? 

Nun, erst einmal zum Inhalt:
Will ist gerade mal 13 als er seinem Vater ein Messer durch die Rippen jagt. Er macht es nicht für sich sondern für seine Mutter, die vom Vater auf brutalste Art und Weise missbraucht wird. Jahrelang hat Will die Schreie, die blauen Flecke und die Vergewaltigungen mit angesehen aber sich nie getraut etwas dagegen zu unternehmen. Bis zu den Augenblick, an dem er fest davon überzeugt ist, dass der betrunkene Vater, wenn er nicht aufgehalten wird, die Mutter tötet. Doch dieser überlebt -  während Will zu zwei Jahren Erziehungsanstalt verurteilt wird. 

Kurz darauf landet Will in Colorado wo er zusammen mit anderen "Gefangenen" wilde Pferde zähmen soll. Bald findet Will Freunde; den belesenen Coop, der nie ohne ein Buch in der Hand unterwegs ist, den kleinen Mickey und den allerbesten Freund überhaupt - Benny. 

Doch die Freunde müssen bald feststellen, dass nicht nur die Pferde gezähmt werden sollen, sondern auch der Wille der Jugendlichen. Dort sind sind sie nicht nur dem pädophilen Aufseher ausgeliefert sondern auch dem sadistischen Mithäftling Silas, dessen Augen den Wahnsinn ausstrahlen und den Jugendlich ganz schön Anst einjagen...

Als dann einige Pferde ausbrechen und die Freunde zusammen mit anderen Jugendlichen - darunter auch Silas -  unter Aufsicht von zwei Aufsehern in die Wildnis aufbrechen, merken sie schon bald dass es ein Ausflug in den Tod werden könnte und sie verstehen -  sollten Sie das Camp jemals heil verlassen, werden sie nie wieder die selben sein! 

Meine Meinung: 
Mich hat schon lange kein Jugendbuch mehr so stark berührt wie die "Könige von Colorado" Der Autor schafft es die Charaktere so lebendig wirken zu lassen, dass man sie sofort lieb gewinnt und für sie betet und mit ihnen trauert! 
Teilweise wollte ich mich mit einer Taschenlampe unter der Bettdecke verkriechen, teilweise stiegen mir die Tränen in die Augen und ich musste wirklich unterbrechen. Und immer wieder, besonders zum Ende hin habe ich förmlich darum gebetet, dass das Ganze doch noch ein gutes Ende nehmen möge. 

Natürlich habe ich das Buch auch unter dem Aspekt der Schullektüre betrachtet und habe festgestellt, dass es sich doch genau so gut eignet wie der "Herr der Fliegen" - mit dem die "Könige von Colorado" ja auch vielerorts verglichen wird. Ja, dieser Roman ist für mich genau das Richtige um Jugendlichen das Lesen schmackhaft zu machen, natürlich nicht in der 5ten oder 6ten Klasse aber ab Klasse 7 oder 8 ist es völlig ok, schließlich sind die Protagonisten des Romans auch gerade 13 als sie in der Erziehungsanstalt landen. 

Was das Buch noch zu einer guten Schullektüre macht ist die Art wie David E. Hilton die Spannung aufbaut und seine Leser total verwirrt. An Stellen, an denen diese Spannung abflaut baut er einfach einen Satz ein, der einen Blick in die Zukunft erlaubt und somit wieder fesselt. An anderer Stellen, an denen man sich einer Sache sicher ist kommt wieder so ein Zukunfstblick, der  jedoch in eine völlig andere Richtung lenkt. Man wartet plötzlich auf das Allerschlimmste und ist komplett überrascht und wahnsinnig glücklich, wenn das Erwartete doch nicht eintrifft. 


Handlung             5/5
Charaktere          5/5 !!!
Lesespaß            5/5 !!!
Sprache               5/5
Preis/Leistung     5/5

Fazit:
Dieses Buch ist ein Meisterwerk und drängt nach Jahrzehnten "Herr der Fliegen" vom Thron! Unbedingt lesenswert nicht nur für Jugendliche, denn David E. Hilton beherrscht die Erzählkunst wie kaum ein anderer Jungautor! 

Mir genügen hier keine 5 Sterne mehr um meine Begeisterung auszudrücken, deswegen setze ich dem Buch noch eine goldene Krone auf!!! 5 mit Sternchen und Ausrufezeichen! Beziehungsweise ganze 6 Sterne!

Mittwoch, 24. November 2010

[BUCH] Lust auf Zeitreisen?


„Das Haus am See“
„Terminator“
„Die Zeitmaschine“
„Zurück in die Zukunft“
„Butterfly Effect“
„Die Frau des Zeitreisenden“

Was haben alle diese Filme gemeinsam? Ja, in allen diesen Filmen wird das Reisen durch die Zeit thematisiert. Doch das ist noch nicht alles. Ich habe von jedem dieser Filme etwas in dem Buch „Die Landkarte der Zeit“ von Félix J. Plama endeckt.

Das Buch ist aus drei Teilen aufgebaut von denen man zunächst einmal meint, die hätten nichts gemeinsam als den Ort des Geschehens - nämlich London - die Zeit – das Jahr 1896 ( Was für ein Paradox! Und das in einem Buch über Zeitreisen ;) ach ja, und ein paar Protagonisten die sich hier und da mal über den Weg laufen.
Doch, schnell merkt man, dass da mehr dahinter steckt! Aber alles der Reihe nach:

Im ersten Teil verliebt sich ein reichen Fabrikantensohn Andrew in eine Prostituierte – Marie. Immer wieder nimmt er ihre Dienste in Anspruch was ihn aber nur kurz befriedingt. Denn er sieht wie Marie leidet und sich täglich ihren Kummer von der Seele trinkt. Betrunken taumelt sie dann Nacht für Nacht in ihr erbärmliches Heim. Doch Andrew traut sich nicht seinem Vater alles zu gestehen und Marie zu retten, bis Jack the Ripper auftaucht und eine Prostituierte nach der anderen qualvoll ermoderdet. Er da entschließt sich Andrew die Frau seiner Träume zu retten. Doch er kommt zu spät, Marie ist bereits tot und der junge Mann will nichts mehr als den Freitod.

Doch Andrews Cousin setzt ihm im letzten Moment einen Floh ins Ohr. Gerade zu der Zeit floriert in London eine Zeitreisenfirma, die den Menschen eine Reise in das Jahr 2000 verspricht. Wenn es also möglich sein kann in die Zukunft zu reisen, warum dann nicht auch in die Vergangenheit?
Die beiden machen sich auf dem Weg und kommen so über Umwege zu dem nicht unbekannten Autor H.G. Well – dem Autor von „Die Zeitmaschine“ gemeinsam versuchen sie die Sache anzugehen....
Im zweiten Fall ist es gerade andersrum. Eine Frau reist mit dieser Zeitreisefirma in das Jahr 2000 in dem die Menschen gegen Maschinen kämpfen und verliebt sich unsterblich in den zukünftigen Helden. Dieser scheint sich ebenfalls verliebt zu haben, denn er nimmt alle Risiken auf sich um die junge Dame noch einmal zu sehen. Dafür reist er sogar in das Jahr 1896. Ein Briefwechsel, starke Gefühle und wieder einmal das Zutun von H.G. Wells sind von nöten um auch dieses Paar zusammenzuführen...
Und in dem letzten Teil wird nun endlich H.G. Wells selbst in den Mittelpunkt gestellt und erlebt Unfassbares! Er reist durch alle Zeiten hin und her, sieht sein Buch in einer Verfilmung, erlebt zwei Weltkriege und nimmt Kontakt zu seinem eigenen jüngeren Ich auf....

Wer Zeitreisen mag wird in diesem Buch wirklich alles finden, was diese zu bieten haben. Aber es wird auch sehr romantisch und letztendlich stellt sich die Frage: was ist alles wahr und was ist nur Illusion?!
Ich habe das Buch wirklich genossen obwohl diese Brüche und Neuanfänge mit völlig anderen Charakteren die ganze Spannung wieder auf Null setzten und es blieb nichts anderes übrig als dort wieder zu beginnen. Ich habe nach den ersten beiden Kapiteln auch das Gefühl zwei eigenständige von einenander getrennte Werke zu lesen, die zwar Gemeinsamkeiten hatte aber so geringe, dass sie erst mal keinen wirklichen Sinn ergaben. Erst der dritte Teil fügte dann alles zusammen
Deswegen gibt es auch einen halben Stern Abzug für ein ansonsten sehr gelungenes Buch. Man muss sich auch im Klaren sein, dass es sich nicht um anspruchsvolle Literatur handelt sondern um ein reines Unterhaltungsbuch und als solches ist es empfehlenswert!!

Erschienen im Kindler Verlag
720 Seiten
Preis: 24,95 Euro

Samstag, 13. November 2010

[BUCH] ...wo die Welt endet...

Patagonien, Indien, Tonga, Burma, Thailand, Italien und und und ich könnte hier alle 22 Kapitel und Orte aufzählen über die Roger Willemsen in seinem neuen Buch schreibt. Aber würden Sie bei solch exotischen Namen an das Ende der Welt denken?
Können Sie sich das Ende der Welt an diesem wundervollen Strand vorstellen? Nein? Macht nichts, denn das müssen Sie auch nicht....

Natürlich erwartet man von einem Ende der Welt etwas düsteres, etwas hoffnungsloses und vergängliches. Der Nordpol ist vielleicht noch das einzige Kapitel, das uns allen dem Ende der Welt am nächsten kommt. Zunächst einmal aufgrund der lebensfeindlichen Temperaturen, dem ewigen Eis und auch aufgrund der geografischen Lage...
Doch Willemsen findet seine persönlichen Enden der Welt an allen möglichen Orten. In Urlaubsparadiesen wie Thailand und Indien, auf allen Kontinenten: Europa, Amerika, Afrika, Asien und Australien.

Was Willemsen beschreibt sind oft menschliche Schicksale, personale Enden. Der Verlust vom Leben, Verlust von Hoffnung...
Manchmal sind es jedoch Orte an denen er selbst seine Grenzen findet und damit sein Ende der Welt setzt...

Willemsen schafft es zu beschreiben was er sieht ohne es zu verurteilen. Er beschreibt die Straßenbilder, informiert über historische Hintergründe und bringt das Persönliche hinein, so dass die Enden der Welt zu einem Reisetagebuch werden und uns mitnehmen an all diese 22 Orte die nur darauf warten von uns entdeckt zu werden.

Ach quatsch! Es sind eher die Orte die "normalen" Reisenden verborgen bleiben. Orte, die vielleicht gar nicht entdeckt werden wollen und die Reisende gar nicht erst entdecken wollen. Willemsen führt uns eher das vor Augen was wir im Urlaub gerne übersehen. Das Leid, die Hoffnungslosigkeit, die Schicksale der anderen - die Enden, die wir gerne als Pradiese betrachten und dabei alles ausblenden was uns ein schlechtes Gewissen bereiten könnte, was sich in Erinnerungsalben nicht so gut macht und was sich einem tief ins Herz bohren könnte, würde man es zulassen...

Ein schönes Buch für alle die nicht nur reisen um die Sehenswürdigkeiten zu betrachten, sondern nach Tiefen, Schicksalen suchen und sich als Teil eines Ganzen sehen, sich weder ausgrenzen nocht abgrenzen noch davon laufen und sich verstecken wollen vor dem für was wir alle mit verantwortlich sind...

Kleinen Abzug gibt es lediglich dafür, dass manchen Kapitel dermaßen persönlich sind, dass man als "Nicht Roger Willemsen" keinen Zugang mehr zum Inhalt und zu den Orten findet.


Fischer Verlag - 541 Seiten -
Preis: 22,95 €