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Montag, 31. Januar 2011

[BUCH / REZENSION] .... Cassia & Ky ....


"Geh nicht gelassen in die gute Nacht.
brenn, alter, rase, wenn die Dämmerung lauert.
Im Sterbelicht sei doppelt zornentfacht" 

Cassias Geschichte spielt für uns in einer fernen Zukunft, in einem uns nicht näher beschriebenen Land aber in einer Gesellschaftsform, die uns sehr wohl bekannt vorkommen sollte: dem Kommunismus.

In letzter Zeit begegne ich öfters Büchern, vor allem für Jugendliche, die den Kommunismus als so ziemlich die übelste Gesellschaftsform darstellen, die man sich nur denken kann. Wollen - vor allem die amerikanischen Autoren ;) - den jugen Erwachsenen diesen aus dem Kopf jagen, damit sich die Geschichte auf keinen Fall wiederholen kann? Oder wagen sie sich den großen George Orwell zu übertreffen? ;)
Wie dem auch sei, müsste uns Kommunismus vertraut sein und ich schweife nicht weiter in Erklärungen ab :) 

Cassia lebt in einer dermaßen vom System verplanten Welt, dass sie weder selbstständig einen Beruf wählen darf, noch ihr essen und auch nicht ihren Lebensparter. Denn alles wird für sie berechnet. Das Wort "Glück" wurde aus dem Wortschatz verbannt und durch "Wahrscheinlichkeit" ersetzt und so wird das ganze Leben der Bürger berechnet. Der perfekte Partner mit dem man nicht nur zu 99,9% glücklich wird sondern auch gesunden Nachkommen zeugen wird; der passende Beruf, die richtige Ernährung. Damit die Bürger ihre Hirne nicht zu sehr mit unnötigem Wissen strapazieren wurde alles unnötige zerstört und nur die 100 schönsten Lieder, 100 schönsten Gedichte, 100 wichtigste Ereignisse der Geschichte beibehalten...wozu auch mehr wissen als unbedingt zum leben und arbeiten nötig? ( erinnert stark an einen inzwischen verblassen Diktator in der ehemaligen Sowjetunion...aber dazu vielleicht später mehr ) 

Da Cassia und alle um sie herum kein anderes Leben kennen glauben sie alles was man Ihnen sagt. Die Gesellschaft will schließlich das Beste für sie! Keiner leidet mehr wie früher, kein muss mehr an schlimmen Krankheiten sterben, denn sogar der Tod ist vorbestimmt. In Cassias Welt sterben alle an ihrem 80ten Geburtstag. 

Und so begibt sich Cassia voller Hoffnungen zu ihrem Paarungsbankett. An diesem Abend wird sie ihren perfekten Partner kennenlernen, den sie später heiraten soll.
Sie ist sehr glücklich als es nicht wie bei den meisten anderen ein unbekannter ist, sondern ihr bester Freund Xander. Doch als sie später zu Hause den Chip in den Computer schiebt um alles über Xander zu erfahren was sie als seine Partnerin über ihn wissen sollte, blickt sie vom Bildschirn ein anderer Mann an - und auch diesen kennt sie, denn es ist ihr Nachbar Ky.
Was ist da passiert? Die Gesellschaft macht doch niemals Fehler? Als am nächsten Tag eine Funktionärin auf Cassia zugeht und sich für den "Fehler" entschuldigt bleibt Cassia mit einer unbeantworteten Frage zurück: Was, wenn der perfekte Partner für sie doch Ky wäre?
Dieser Gedanke bringt Cassia nicht nur dazu einen Verstoß nach dem anderen zu begehen sondern auch auf rivolutionäre Gedanken die nicht nur ihr Leben in Gefahr bringen sondern die komplette Zukunft verändern könnten...

Leider ist es schon wieder ein Buch das an einem Cliffhanger endet :( Warum tun mir die Verlage das dauernd an??? Es soll wohl wieder einmal der erste Teil einer Trilogie werden aber leider ist der zweite noch nicht einmal auf Englisch erschienen...ja ja, das habe ich gleich mal überprüft nachdem ich die letzte Seite gelesen hatte :( nun bin ich bitter enttäuscht!!! Wie lange werde ich jetzt warten müssen ? 3 Monate? Ein halbes Jahr? vielleicht sogar ein Jahr? 

Ihr seht, das Buch hat mich richtig ergriffen! Es ist eine wirklich sinnvolle und interessante Lektüre, vergleichbar mit George Orwells "1984" oder ein wenig mit "Animal Farm" Ein Buch, das eine Gesellschaft beschreibt die es eigentlich niemals geben sollte  die es aber leider bereits gab und noch immer gibt ( Nordkorea, Kuba..) . Nichts gegen den guten Willen dahinter - doch bereits Thomas Morus erkannte dies als Utopie und der Mann lebte immerhin im Mittelalter ;)

Freitag, 28. Januar 2011

[OPAW] ... One Poem A Week ...

Guten Morgen meine Lieben!!!

Aus aktuellem Anlass bin ich auf die glorreiche Idee gekommen, Euch jede Woche ein Gedicht vorzustellen. Warum?

Zunächst einmal hat Lyrik in meiner Familie Tradition. Mein Opa war ein Liebhaber schöner Gedichte, meine Mutter erzählte mir abends statt Märchen ebenfalls Gedichte und auch ich blieb nicht verschont und musste diese bereits mit drei Jahren auswendig lernen. Damals brachte es mich dazu die Bücher zu zerreissen...aber inzwischen bin auch ich ein großer Lyrik Fan :)

Der zweite Grund ist ganz einfach der, dass Lyrik immer mehr an Wert verliert. Jeder meint selbst Gedichte schreiben zu können, wenn er oder sie zwei Reime hervorzubringen vermag. Aber kann man das wirklich als Lyrik bezeichnen?! Heißt es, wir dürfen die großen Dichter abwerten, nur weil heutzutage jeder reimen kann?
Nein, und das möchte ich hier beweisen. Denn ein gutes Gedicht muss sich nicht reimen, ein gutes Gedicht muss nicht einmal etwas erzählen. Es muss lediglich tief sitzende Gefühle in uns wecken - und das ist die Kunst!

Aus aktuellem Anlass möchte ich Euch heute gleich zwei Gedichte vorstellen. Beide habe ich durch meine Lektüre von "Cassia & Ky - die Auswahl" entdeckt. Die beiden Jugendlichen leben in einer Zukunft, in der alles Unnütze verbannt worden ist. Die Kunst und Kultur auf 100 Stücke reduziert worden ist. "Die Gesellschaft" wählte einst die 100 schönsten Gedichte, die 100 schönste Gemälde und so weiter. Doch unverhofft erbt Cassia von seinem Großvater 2 weitere Gedichte....

das erste kommt in deutscher Übersetzung im Buch vor, leider nur in gekürzter Form, deswegen hier die volle Länge:

Geh nicht gelassen in die gute Nacht,
brenn, Alter, rase, wenn die Dämmerung lauert.
Im Sterbelicht sei doppelt zornentfacht.

Weil kein Funken je ihr Wort erbracht,
Weise - gewiß, daß Dunkel rechtens dauert-,
gehn nicht gelassen in die gute Nacht.

Wer seines schwachen Tuns rühmt künftige Pracht
im Sinken, hätt nur grünes Blühn gedauert,
im Sterbelicht ist doppelt zornentfacht.

Wer jagt und preist der fliehenden Sonne Macht
und lernt zu spät, daß er sie nur betrauert,
geht nicht gelassen in die gute Nacht.

Wer todesnah erkennt im blinden Schacht,
daß Auge blind noch blitzt und froh erschauen,
im Sterbelicht ist doppelt zornentfacht.

Und du mein Vater dort auf der Todeswacht,
fluchsegne mich, von Tränenwut vermauert.
Geh nicht gelassen in die gute Nacht.
Im Sterbelicht sei doppelt zornentfacht. 

Dylan Thomas 1914 - 1953
Übersetzung: Erich Fried

Und hier das zweite Gedicht. Dieses habe ich in Originalsprache übernommen, denn nur so wirkt es auf einen. Auch finde ich keine schöne Übersetzung dazu...( ich vertraue halt nur Erich Fried ;) Wer aber etwas genauer wissen will, darf mich gerne fragen...


Crossing the Bar

Sunset and evening star,
And one clear call for me!
And may there be no moaning of the bar,
When I put out to sea,

But such a tide as moving seems asleep,
Too full for sound and foam,
When that which drew from out the boundless deep
Turns again home.

Twilight and evening bell,
And after that the dark!
And may there be no sadness of farewell,
When I embark;

For tho' from out our bourne of Time and Place
The flood may bear me far,
I hope to see my Pilot face to face
When I have crost the bar.

Alfred Lord Tennyson 1809 - 1892